Extremsportler, Naturfilmer und auch Medienbetreibende begeistern sich für dieses Format: Das 360-Grad-Video. Es ist quasi der kleine Bruder von Virtual Reality. Unternehmen können diese Technik nutzen, um Kunden in fremde Welten eintauchen zu lassen. In unserem Fachbeitrag in der 44. Ausgabe von Website Boosting haben Jens Priwitzer und ich uns mit diesem Thema beschäftigt. Im heutigen Blogpost fassen wir für euch die wichtigsten Informationen zusammen.

Was genau sind 360-Grad-Videos?

Mit den 360-Grad-Videos hat der Zuschauer die Chance, eine andere Welt aus verschiedensten Perspektiven zu erforschen. Natürlich ist eine Interaktion im Gegensatz zu einer „echten“ virtuellen Umgebung nur im begrenzten Umfang möglich, da der Betrachter im Fall der 360-Grad-Videos nur nach oben oder unten blicken und sich einmal um die eigene Achse drehen kann. Damit man sich im Video bewegen kann, reicht in der Regel ein Browser wie Firefox oder Chrome. Bei Apples Safari verhindert jedoch ein alter Bug die Darstellung des Videoformats. Am einfachsten ist es, die Videos auf dem Mobilgeräten abzurufen. Der Clou: Man muss nur das Smartphone oder Tablet herumdrehen, um die Perspektive zu wechseln. Die Möglichkeit, noch tiefer in die andere Welt einzutauchen, bieten 3D-Brillen oder Controller, mit denen man seine Bewegungen steuern kann.

360-Grad-Videos in den sozialen Medien

Bereits im März 2015 führte YouTube die Funktion der 360-Grad-Videos ein. Im Juli folgte dann die Möglichkeit, Werbeanzeigen in diesem Format zu schalten. Daraufhin erweiterte Facebook sein Angebot um 360-Grad-Videos. Seit März 2017 kann man auch auf dem Videoportal Vimeo solche Videos hochladen und anschauen. Facebook veröffentlichte außerdem speziell für die Samsung Gear VR die App „Facebook 360“, mit der sich 360-Grad-Inhalte schneller finden lassen. Mittlerweile können User auf Facebook, Instagram, Periscope und YouTube 360-Grad-Videos live streamen.
Auch für Unternehmen sind diese Videoformate nicht uninteressant, schließlich können sie sich mit diesem jungen Format als Trendsetter positionieren. Erfolgreiche Beispiele für die Verwendung von 360-Grad-Videos liefern BMW oder das russische Fotoprojekt „AirPiano“.

Wie man ein 360-Grad-Video erstellt

Die Produktion inklusive Verarbeitung eines 360-Grad-Videos ist relativ einfach, da die üblichen Kameras im Consumer-Bereich über die notwendige Software verfügen. Die Aufnahme wird dann per App gesteuert und die Kamera per USB-Kabel oder WLAN mit dem Smartphone verbunden. Zusätzlich ist meist ein Tool erforderlich, mit dem man lange Aufnahmen am Computer schneiden und mehrere Sequenzen zu einem Film zusammenfügen kann. Der anschließende Upload auf Facebook oder YouTube wird direkt über die App vorgenommen und ist bei neueren Modellen sogar als Livestream möglich.
 
Die sogenannte Rig-Lösung ist insbesondere bei den Profimodellen verbreitet. Dabei verwendet man mehrere Kameras, die an einer Halterung montiert werden. Zwar sind die Aufnahmen dadurch deutlich besser, die Nachbearbeitung nimmt aber mehr Zeit in Anspruch. Mit einer geeigneten Software wie Kolo Autopano Video oder Video-Stitch werden die verschiedenen Filme im ersten Schritt „zusammengenäht“. Danach müssen per Hand alle Nahtstellen per Hand retuschiert werden. Auch hierfür gibt es geeignete Software-Lösungen – wie beispielsweise After Effects von Adobe. Mit diesen Programmen kann man auch Texte hinzufügen, die zusätzliche Informationen bieten und den Betrachter leiten können.
 
Im Folgenden haben wir die besten Modelle im Consumer- und Profi-Bereich zusammengetragen:
 
Samsung Gear 360:
Die kugelförmige Kamera besitzt zwei Linsen, die einander gegenüberliegen. So nimmt die Kamera zwei Videos mit jeweils 180 Grad auf und verrechnet diese nahtlos zu einem Stream.
Auflösung: 3.840 x 190 Pixel (4K)
Preis: 160 bis 290 Euro
 
Audivox 360fly 4 K:
Die Ultra-Fisheye-Linse nimmt 360 Grad in der Horizontalen und 240 Grad in der Vertikalen auf. Die Kamera ist stoß- und wasserfest, und mithilfe einer WLAN-Verbindung können Videos direkt bei YouTube oder Facebook hochgeladen werden.
Auflösung: 2.880 x 2.880 Pixel
Preis: 340 bis 550 Euro
 
GoPro Omni:
Ein würfelförmiges Gehäuse enthält sechs GoPro-Einzelkameras vom Typ Hero 4 Black. Diese Kameras werden automatisch synchronisiert und in der Post-Produktion werden alle Videos zu einem nahtlosen 360-Grad-Video zusammengefügt.
Auflösung: 8K
Preis: 5.000 bis 5.700 Euro
 
Nokia Ozo:
Dank acht Augen und acht Mikrofonen nimmt man sowohl das Bild als auch den Ton in 360 Grad auf. Des Weiteren ist die Produktion von 3D-Videos möglich, die auch in Echtzeit gestreamt werden können.
Auflösung: 4K
Preis: 37.500 bis 55.000
 
Eine noch bessere Auflösung, einen hochwertigeren Klang und bessere Interaktion versprechen die Kameras der neuesten Generation. Für Ende 2017 ist beispielsweise die GoPro Fusion angekündigt, die die erste „echte“ 360-Grad-Kamera sein soll. Facebook hat bereits im April 2017 zwei neue Modelle vorgestellt. Beide Kameras, die Facebook Surround 360×6 und die Facebook Surround 360×24, sollen dem Betrachter die Bewegung in die Tiefe des Raumes ermöglichen.

Sphärisches Storytelling in 360-Grad-Videos

Trotz der vielen Interaktionsmöglichkeiten bleibt das 360-Grad-Video doch nur ein Film, denn im Gegensatz zur Virtual Reality wird lediglich die Perspektive erweitert. Der Betrachter hat aber keine Möglichkeit, in die Handlung einzugreifen, sondern kann sie lediglich ohne Perspektivbeschränkungen erleben.
 
Am Beispiel Journalismus sieht man, wie sich das Storytelling eines Films durch die 360-Grad-Videos verändert. Berichterstattungen können mit diesen neuen Medien ergänzt werden.
 
Der Ausdruck „spherical thinking“ wurde von der BBC und deren 360-Grad-Dokumentation geprägt. Hier werden traditionelle Erzählformate mithilfe der neuen Video-Formate komplett neu durchdacht. So kann sich der Zuschauer am Schauplatz genauer umsehen und erhält dazu innerhalb der Doku genug Zeit. Zusätzlich wird die Präsenz des Zuschauers durch eine direkte Ansprache betont.
 
Eine Herausforderung ist es jedoch, diese neuen technischen Möglichkeiten zu nutzen, ohne den Zuschauer zu überfordern. Eine zu schnelle Kameraführung kann zum Beispiel zur Übelkeit führen. Daher sind gleichmäßige und langsame Bewegungen für 360-Grad-Videos besser geeignet.

Wann sich 360-Grad-Videos für Unternehmen lohnen

Wenn es um die Produktion von 360-Grad-Videos geht, haben sich viele Unternehmen bis jetzt noch zurückgehalten. Daher dominieren momentan eher Global Player und erreichen mit ihren Videos Klickzahlen im Millionenbereich. Meist sind das Inhalte, die Nervenkitzel versprechen. Doch auch andere Themen können geeignet sein:
 
Exotische Umgebungen:
Besonders geeignet sind die 360-Grad-Videos für Unternehmen in der Tourismusbranche, denn so können Zuschauer mit an die schönsten Plätze genommen und andere Länder vorgestellt werden.
 
Virtuelle Testfahrten:
Autohändler haben nun die Möglichkeit, Testfahrten für ihre Kunden anzubieten. Je vielseitiger die Strecke, desto besser.
 
Virtuelle Rundgänge:
Auch in der Immobilienbranche können die neuen Video-Formate genutzt werden. So können potenzielle Mieter einen Eindruck der Immobilie erhalten.
 
Musik erleben:
Auch Musikvideos in 360 Grad bieten als Aufzeichnung oder per Livestream eine tolle Möglichkeit, Besucher direkt anzusprechen.
 
Doch auch im B2B-Bereich können sich diese neuen Formate lohnen. Denn gerade für Unternehmen, die bereits erfolgreiches Video-Marketing betreiben, sind die 360-Grad-Videos eine Chance, den Zuschauern etwas Neues zu bieten. Ein Produkt- oder Imagefilm in 360 Grad ist beispielsweise eine tolle Variante, mit der man in Erinnerung bleibt.

Fazit

Wie wichtig sind 360-Grad-Videos wirklich für Unternehmen? Das kommt auf verschiedene Aspekte an. Entscheidend sind die Marketing-Strategien und die Rahmenbedingungen der jeweiligen Unternehmen. Es wird sich erst im Laufe der nächsten Jahre entscheiden, ob der Hype abebbt oder ob sich Virtual Reality zum Massenphänomen entwickelt. Da es sich bei der Videotechnik aber quasi um den kleinen Bruder von Virtual Reality handelt, haben die Unternehmen mit 360-Grad-Videos eine Chance, sich langsam vorzutasten und erste Erfahrungen zu machen.
 
Aufmerksamkeit erhält man besonders dann, wenn man die Zuschauer an einen sonst schwer zu erreichenden Ort versetzen kann. Doch auch allgemein schaffen es 360-Grad-Videos, den Zuschauer tiefer in eine Materie eintauchen zu lassen. Trotz aller Faszination ist jedoch ein überzeugendes Storytelling notwendig. Hierbei muss man den Zuschauern gleichermaßen ein Erlebnis von Freiheit vermitteln als auch eine kreative Geschichte erzählen. In diesem Rahmen haben die Unternehmen viel Raum für Experimente.


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