Warum „sehr gute“ SEO-Beratung auch einen „sehr guten“ Preis haben muss

Dieser Artikel stammt ursprünglich von andre.fm und wurde dort am 05.04.2009 veröffentlicht.

Ich hatte unlängst einige Gespräche welche die Frage nach fairer Bepreisung von SEO-Beratung anschnitten und im Urlaub hatte ich ein wenig Zeit dediziert hierüber nachzudenken und versuchen die Dinge auf den Punkt zu bringen. (Bitte im Hinterkopf haben, dass ich mich hier auf hochwertige, strategische SEO-Beratung beziehe, die man eher mit einem Weiterbildungs-Workshop/-Seminar vergleichen kann, als irgendwelche Redakteure oder Linkaufbau-Manager, die Agenturen mitunter schon manchmal auch als „SEO-Berater“ mit auf die Rechnung schreiben 😉 ) Also – Es gibt zweierlei Gründe warum „sehr gute“ SEO-Beratung auch einen „sehr guten“ Preis haben muss: Anbieter- und Nachfrager-Seitige.

Anbieter-seitige Gründe

Die Anbieter-seitigen Gründe haben vor allem damit zu tun, dass der SEO-Berater während der eigentlichen SEO-Beratung „reinen Output“ liefert. Um aber in der „Informations-Nahrungskette“ ganz weit vorne zu sein braucht man eine Menge Input und das erarbeiten davon muss die eigentliche Beratung mit finanzieren. Gemeint sind konkreter

  • Austausch mit anderen SEOs bei Networkingveranstaltungen oder bilateralen oder sonstigen Treffen
  • Eigene Experimente und viel eigenes Beobachten und Interpretieren dessen was in den SERPs passiert und die Dinge die andere tun und das versuchen in die sich stets verändernde Black Box Google ein wenig mehr Licht zu bringen.
  • Wer was auf sich hält wird sich sicher vorbereiten auch wenn eine Situationsanalyse der erste gemeinsame Schritt mit dem Kunden ist.
  • (Einige SEOs haben sicher auch Pitches bei denen Sie den Auftrag nicht bekommen.)

 

Nachfrage-seitige Gründe

  • Die Informationen die bei der Beratung „geliefert” werden machen einen dauerhaften Hebel. Das heißt der Kunde wir von der bestehenden auf eine steilere Wachstumskurve gehoben. Hier wird ein massiver Wert geschaffen, wenn das erfolgreich klappt.
  • Informationen sind keine Bananen. Das heißt, dass wenn der Kunde die Lehren die er aus der Beratung gezogen hat für andere Länder / Projekte oder sonstwas nutzt hat der Berater hiervon nichts mehr. Der Kunde muss dem Berater nicht „wieder“ was dafür zahlen, dass er die ein mal gegeben Informationen noch ein Mal benutzt. Würde man Bananen verkaufen wäre das anders. Jede weitere Banane wäre Einkommen für den Verkäufer
  • Der Bedarf ist größer als die Nachfrage – Es gibt gute SEOs die aber als Berater nicht „funktionieren“. Einige Gründe hierfür können sein: Der Erfahrungsschatz erstreckt sich nur über eine geringe Menge von Projekttypen. Der- oder Diejenige kann zwar selbst gut die eigenen Dinge machen aber ist nicht Kommunikationsstrak. Der SEO ist zwar top aber er will gar nicht Beraten, weil er sein Wissen lieber ausschließlich in eigene Projekte einfließen lässt. Usw. usf.
  • Je weiter der Kunde selbst ist je mehr kann er auch mit kleinsten Kritiken und Hinweisen anfangen und da eine Menge rausholen und mit bloßem Stundensatz ist das für den SEO nicht fair vergütbar.
  • Man kann versuchen einen SEO durch gute Incentivierung so zu binden, dass er keinem direkten Wettbewerber hilft.

 

Gibt es noch weitere Gründe warum „sehr gute“ SEO-Beratung auch einen „sehr guten“ Preis haben muss? Ist einer der genannten Gründe weniger nachvollziehbar? Trifft das zusammengetragene auch für andere Beratung also SEO-Beratung zu?

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Quelle: Flickr.com

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Kommentare (24)

  1. Hallo,

    auch wenn Webseitenbetreiber durch SEO sehr viel mehr Geld verdienen können, sollte man das ganze doch eher `anbieterseitig´ sehen und ein gesundes Mittelmaß finden. Ein Arzt kann mir unter Umständen das Leben retten, verlangt dann aber auch nicht 2 Millionen Euro Honorar.

    SEO ist manchmal viel Wirbel um nichts. Das Nichts sollte man sich gut bezahlen lassen, den Wirbel jedoch nicht 😉

    Gretus

  2. Also, ich kann hier in keinem Punkt widersprechen 😉 Höchstens hinzufügen. Der Artikel wäre auch korrekt, wenn man das Wort SEO fallen ließ. Sehr gute Beratung ist immer schon sehr teuer. Aber:

    Es ist kaum „teuer“, wenn ein Berater einem Unternehmen einen Ratschlag gibt, den er in einer Stunde erarbeitet hat, wenn das Unternehmen durch die Umsetzung den Umsatz/Gewinn verzehnfachen kann.

    Es ist immer relativ. Wenn ich für diese Stunde 100.000 Euro nehme, aber das Unternehmen durch diese Beratung den jährlichen Umsatz von 1 Mio auf 10 Mio erhöht, dann waren diese 100k das ein echtes Schnäppchen.

    Für den Leser ließt sich das vielleicht phantastisch, aber solche Fälle hat es schon oft gegeben. Klassiche Unternehmensberater wie Alan Weiss wissen und lehren das schon seit Jahrzehnten.

    Die SEO-Branche ist hingegen noch sehr frisch mit vielen jungen Beratern, denen es oft noch an der Erfahrung fehlt. Nicht an der fachlichen SEO-Erfahrung, sondern an der Erfahrung zu wissen, wie viel ihr Ratschlag eigentlich wert ist. Sie verkaufen sich dann für ein paar Dutzend Euro die Stunde und helfen ihren Kunden dabei sich kapuutt zu verdienen. Diese lachen sich heimlich schlapp und freuen sich darüber, was sie für ein unglaubliches Schnäppchen gemacht haben.

    All das wird sich in den nächsten 5-10 Jahren stark ändern, wenn sich die SEO-Branche immer weiter professionalisiert. In allen anderen klassischen Branchen ist das schon lange so. Werbung, PR, Unternehmenberatung, Design, Krisenmanagement. Guter Rat ist immer sein Geld wert und erzeugt für Außenstehende den Eindruck als wäre er teuer.

    Viele Grüße
    Sasa

  3. na dass qualität seinen preis hat, ist ja EIGENTLICH nichts neues…nur bei den meisten marktteilnehmern ist der funke weisheit noch nicht angekommen…die preise werden sich spätestens dann nach oben bewegen, wenn kein mensch mehr bereit ist, gute arbeit für wenig geld abzuliefern. was ich in bezug auf websites gebloggt habe, gilt natürlich auch analog für beratung.

    @andre: du magst doch so gerne kurze aussagen, daher -> edelpuff ist teurer als straßenstrich 🙂

  4. Klasse Beitrag! Ob sich die Preise nach oben bewegen? Das bezweifle ich momentan noch etwas. Leider wird diese Dienstleistung auch von vielen Newcomern (Schülern und Studenten) gemacht, die sich den Marktzugang mit Dumpingpreisen verschaffen. In der Tat gibt es erfolgreiche noch sehr junge SEO’s die bereits mit 15 ein paar erfolgreiche Projekte hochgezogen haben, die aber noch keine Familie ernähren müssen und ihre Tätigkeit zur Aufbesserung des Taschengelds ausüben. Bleibt zu hoffen, dass hier alle gemeinsam an einem Strang ziehen und die Dienstleistung zu einem für alle Parteien gerechten Preis geschieht.

  5. ne martin. da meinen wir ganz ganz unterschiedliche dinge! nicht kleine seo-projekte sondern dickschiffe mit mehreren 100k seiten im index. da kann man leider eben keine schüler und stundenten drauf schicken … ich glaube wir haben da eine unterschiedliche dimension von projekten im sinn 😉

  6. Die Hebelwirkung ist IMHO das entscheidende Kriterium. Das geht ja soweit, dass das Buchen eines guten SEOs über Erfolg oder Pleite eines Projekts entscheiden kann. Da sind dann 100.000 Euro Beraterhonorar gut angelegt, wenn dafür das 2-Millionen-Projekt nicht scheitert.
    Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass die Nicht-SEO-Fähigkeiten eines SEO-Consultants wichtiger sind als die puren SEO-Kenntisse. Große Webprojekte sind heute so komplex, dass die Kommunikations- und Durchsetzungsfähigkeit in Meetings mit der Geschäftsleitung oder in Gesprächen mit dem Technikdienstleister wichtiger sind als die Frage, ob Google derzeit H1 oder H2 präferiert.
    Und diese Durchsetzungsfähigkeit hängt auch damit zusammen, dass der Consultant ordentlich bezahlt wird. Wenn der Projektleiter weiß, dass der SEO-Mensch eine ordentliche Stange Geld erhält, wird er seine Ratschläge eher befolgen. Das mag zwar logisch unsinnig sein, ist aber menschlich – und damit Realität.

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  8. Guter Artikel!
    Stefan, da stimme ich Dir vorbehaltlos zu. In der Tat ist es in Dickschiffen, die Andre im Sinn hat vor allem wichtig (wie eigentlich in allen Unternehmensbereichen) einen Machtpromotor zu haben. Und wenn der SEO-Berater Deinen Vorstand überzeugen kann, ist er sein Geld schon wert. Daher hat er wirklich eher strategische Aufgaben und muss in der Lage sein, Strukturen (online wie offline) bewerten zu können.
    In diesem Sinne hat ein SEO-Berater genau die gleichen Aufgaben wie jeder andere Unternehmensberater auch (und muss auch diese Kompetenzen besitzen!), nur dass es sich hierbei eben um Online-Produkte handelt.

  9. Das ist so wie zum Anwalt zu gehen. Für ein paar Stunden Arbeit nehmen die extreme Summen. Auf den ersten Blick erscheint es viel zu teuer. Aber wenn man mal sieht, wie lange und schierig Anwälte haben studieren müssen, um auch alle Eventualitäten abzudecken. Schließlich steht er auch ein bisschen für einen Fehlberatung gerade.

    Dies wäre auch der Punkt der hier noch fehlt:
    Das Risiko, dass man trägt, wenn die Beratung in einem Mißerfolg endet.

  10. Pingback: SISTRIX SEO-Blog
  11. Und das ist doch das Problem warum die Nachfrage-Seite ungern dicke Budgets an Berater verteilt. Schief gehen kann eine Optimierung bei einem teuren SEO genauso wie bei einem billigen. …Was tut die Nachfrage-Seite?

    Wie bei öffentlichen Ausschreibungen holen sich mittlerweile viele Nachfrager Angebote von mehreren SEOs ein. Wenn da einige (auch die Riesenagenturen!) nicht mal in der Lage sind in ihren Angeboten genau zu beschreiben was sie vorhaben, wieso sollte man diesen Geld zahlen?

  12. Andre, du Poker-König, aus meiner Sicht gibt es nichts wesentliches hinzuzufügen. Außer, dass dein Artikel zwei von mir hervorragend ergänzt und besser auf den Punkt bringt (ja, ich erzähl zuweilen zuviel drumherum *g*): http://www.seo-scene.de/seo/seo-der-aufwaendigste-job-in-der-branche-96.html sowie http://www.seo-scene.de/seo/die-fuenf-offenen-geheimnisse-des-suchmaschinenoptimierers-151.html
    Du bist doch nicht etwa zu früh von der Party verschwunden? 😉

  13. Ich finde es wichtig für eine gute Dienstleistung einen faieren Preis zu verlangen. Ja da stimme ich allen zu! Aber…
    Achtung Ironie!
    kann ich einen fairen Preis für etwas verlangen, wo nur mit Halbwissen gearbeitet wird und wo nichts versprochen werden kann!?

    Ausserdem frage ich mich, warum nur SEO´s, die doch mit eigenen Projekten doch soviel Geld verdienen, auch noch die freie Marktwirtschaft benötigen? Naja von Geld kann man ja nie genug haben. 🙂

  14. Es wird wirklich Zeit, dass in der Branche senbstreinigungskräfte aktiv werden, und die ganzen SEOs, die zu Hause am Küchentisch basteln, in die preislichen Schranken verwiesen werden.

    Die in naher Zukunft zu erwartenden Anforderungen der Kunden Richtung „Online-Marketing“ werden dahingehend ihr übriges tun.

  15. Top Artikel! Kann allen nur zustimmen. Gute Dienstleistung kostet auch gutes Geld. Aber was ist schon Teuer? Teuer is immer relativ! Es muss alles schon im richtigen Verhältniss zu einander stehen.
    Aufwand, Kosten, -> Nutzen.
    Am besten finde ich eigentlich eine Gewinnbeteiligung.:D Eigentlich auch Gerechtfertig, oder nicht?

  16. Pingback: SEO bei großen Firmen - SEO bei kleinen Firmen | andre.fm
  17. Ich arbeite hauptberuflich als SEO und kann dem trotzdem zustimmen. Es gibt extrem viel zu lesen und zu wissen, trotzdem ist nicht jeder Einsteiger im SEO-Umfeld erfolgreich. Und das ist auch gut so. Auch wenn viele ihr SEO-Wissen weitergeben.

    Nur weil ich meinem Sohn die Spielregeln im Schach erkläre, kann er mich noch lange nicht im Schlag schlagen. Dazu gehört einfach wesentlich mehr: Erfahrung, Taktik, Eröffnung (~ SEO-Grundregeln), usw.

    Gruss
    Wolfgang

  18. Dem Kunden schwer beizubringen ist einfach dass er in der ersten Zeit nach Projektannahme für eine Dienstleistung zahlen muss die zu dem Zeitpunkt noch keine Früchte trägt und auch morgen noch nicht tragen wird. Viele erwarten schon in der ersten Woche enorme Sprünge ihres Rankings nach vorne. Nachhaltig jeodch ist kein Kunde unzufrieden, denn wiegt man ersteinmal den erreichten Traffic welcher über die organische Suche kommt mit den Kosten auf welche dieser Traffic über SEM verursacht hätte, ist selbst die `gut bezahlte´ Dienstleistung einer seriösen Agentur ein Schnäppchen.

  19. Ein Teil der eigentlichen Kosten für die Seo Beratung könnte auch in die Seo Arbeit eingerechnet werden. Schließlich schrecken hohe Preise für die erste Beratung wahrscheinlich mehr ab als unbedingt nötig. Zu tief oder kostenlos sollte der Preis aber auch nicht sein. Dann springen wohl zu viele auf, die einfach nur mal hören wollen, was in der Seo Szene denn so los ist. Das richtige Mittelmaß muss gefunden werden.

  20. Pingback: Nerd in Skirt » Warum ist SEO Beratung eigentlich teuer?
  21. Hallo André,

    habe den Artikel gerade erst über Deinen FB-Like gesehen. Ich wundere mich immer, dass gerade im Bereich SEO die Vergütungsmodelle immer wieder zur Diskussion stehen. Es handelt es sich um eine ganz klare Beratungsleistung, die direkte Auswirkungen auf dem Umsatz hat, insofern die vorgeschlagenen Maßnahmen auch qualifiziert umgesetzt werden. Vergleicht man dann noch diesen Marketingkanal im Benchmark mit anderen Kanälen, so ist dieser nicht nur extrem kostengünstig, sondern trägt auch einen großen Anteil am Gesamtumsatz. Daher lasse ich mich im Kundengespräch gar nicht mehr auf die Diskussion ein. Preise respektive Tagessätze werden nicht reduziert. Und am Mengengerüst kann man schrauben. Aber dann wird der Umfang der Leistung reduziert. Das wünschen sich die Kunden ja auch nicht. Also bleibt es beim Preis oder der Kunde / Interessent kann einen anderen Berater beauftragen. Sicherlich auch verbunden mit einer anderen Qualität der Leistung.

  22. ein mir häufig aufgefallener Punkt:

    – ein SEO ist immer abhängig von einem Ihm meist unbekannten Team/Firmenstruktur
    -> Beratung von verschiedenen Personen mit unterschiedlichem „Skill-Level“
    -> Anpassung auf schon manifestierte Gegebenheiten (teilweise komplette Umstrukturierung)
    –> ein SEO ist in meinen Augen jemand, der einen kompletten Überblick über etliche Abläufe in einer Ihm „fremden“ Firma berücksichtigen und einbeziehen muss

    kurz und knapp „SEO vs IT“

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