Boston Searchlove Konferenz

Am 7. und 8. April fand die SearchLove in Boston statt, auf der auch die AKM3 vertreten war. Schließlich sind wir immer an neuen Inspirationen und spannenden Gesprächen interessiert – und wir wurden in keinster Weise enttäuscht. Nach einem sonntäglichen Spaziergang durch Downtown Boston war es dann am Montag endlich soweit, und die SearchLove konnte in der Harvard Medical School starten. Nette Event-Location, auch wenn der Name „SearchLove“ Programm ist – der Taxifahrer konnte mit der Adresse herzlich wenig anfangen, aber irgendwie haben wir den Weg dann doch gefunden. 😉 Hier möchten wir euch einige spannende Vorträge etwas detaillierter vorstellen. Wir waren uns einig, dass wirklich alle Vorträge extrem spannend und inspirierend waren, sodass die Wahl schwer fiel.


Matthew Brown – Learn From The Herd

Matthew Brown, Senior VP – Special Projects bei Moz, verdeutlichte in einem der ersten Vorträge, warum es nicht immer sinnvoll ist, der Herde zu folgen – vor allem nicht bei der Suchmaschinenoptimierung.

Matthew Brown SEO Mythen

Anhand von anschaulichen Beispielen widerlegte Matthew diverse „SEO-Mythen“, die von bekannten Informationsquellen und Influencern im Bereich SEO verbreitet und von allen SEOs übernommen wurden, ohne dass diese hinterfragt bzw. selbst getestet wurden.

Eine Auswahl der Mythen, die Matthew durch eigene Tests und kritisches Hinterfragen widerlegen konnte:

Mythos 1: PageRank Sculpting funktioniert nicht mehr.
Tests zeigen eindeutig, dass das gezielte Steuern der Linkpower durch interne NOFOLLOW-Links noch funktioniert – zumindest bei den Testdomains.

Mythos 2: Brands werden von Google im Gegensatz zu Keyworddomains nicht abgestraft.
Wer in den letzten Wochen die SERPs und SEO-Kennzahlen wie den Sichtbarkeitsindex großer deutscher Brands beobachtet hat, müsste diesem Mythos bereits selber kritisch gegenüberstehen. In den USA und UK fand die Abstrafungs-Welle von Brands bereits vor einigen Monaten statt. Eine Brand zu sein (egal mit wie viel Trust und Autorität) reicht demnach nicht mehr aus, um sich vor Abstrafungen von Google zu schützen.

Mythos 3: The Authorship is dead.
Matthew zeigte uns anhand der Domain blog.kissmetrics.com, dass Authorship und hohe Autorität zu diesem Thema, z.B. durch viele Follower bei Google+, bei hart umworbenen Suchanfragen wie „SEO Guide“ gute Rankings erzielen. Sogar starke Domains mit besseren SEO-Metriken, wie eingehenden Links, werden durch Faktoren wie Authorship und Autorität auf hintere Plätze in den SERPs verdrängt.

Mythos 5: Die Informationen aus den strukturierten Daten (z.B. durch eine Auszeichnung mit schema.org) füttern Google mit Daten für deren eigene Services.
Zu diesem Mythos hatte Matthew eine deutliche Meinung: „Google doesn`t need ya!“, weil Google auch durch viele andere Quellen an Informationen kommt.

Mythos 6: Jede Sichtbarkeit in den SERPs ist gut.
Auf diesen Mythos bezogen zeigte Matthew uns, dass die Verwendung von Videos im Snippet einer Domain zu einem Einsturz der CTR geführt hat. Man sollte sich bei der Verwendung von Rich Snippets im Vorfeld daher immer überlegen, ob die zusätzlichen Informationen in den SERPs die Suchintention des Nutzers befriedigen oder ihn im Zweifelsfall eher von einem Klick auf das Suchergebnis abhalten.

Matthew Brown SEO Mythen

Am Ende des Vortrags kommt Matthew zu einer klaren Aussage: „Don`t believe the herd!“. Anstatt faul zu sein und Meinungen von Dritten ungefragt zu übernehmen, muss sich die SEO-Branche wieder dahin entwickeln, Tests zu machen und sich eine eigene Meinung dazu zu bilden, was heute funktioniert und was nicht.
Neben einem Push in Richtung Content sieht Matthew vor allem in folgenden Punkte zukünftig Potenziale im Bereich SEO:

  • Analyse und Auswertung der eigenen Sichtbarkeit in den SERPs durch den ved-Parameter
  • Wettbewerbsanalyse durch Nerdy Data und Rival IQ
  • Erarbeitung einer non-HTML SEO-Strategie
  • Auszeichnung aller Inhalte durch strukturierte Daten
  • Aktive Nutzung von Google+

Josh Braaten – How to build a Data-Driven-Company

Während es in den zwei Tagen auf Kundenseite vor allem um den Menschen ging, präsentierte Josh Braaten einen 10-Punkte-Plan, durch den man sehr zahlengetrieben eine win-win-win-Situation herbeiführen kann. Auf den ersten Slides stellte Josh uns seine Frau vor. Sie holte nach der Hochzeit ihr College nach und kam gleich am ersten Tag aufgrund einiger Fehlinformationen zu spät zur Veranstaltung. Dementsprechend gedämpft war ihre Stimmung.

Josh Braaten Data Driven Companies
Dies führte Josh zu seiner These: Vermeide schlechte Erfahrungen, da sie das Markenerlebnis beeinflussen. Sein 10-Punkte-Plan soll auf Basis von Zahlen genau das erreichen. Vorweg: Es sind eigentlich nur acht Punkte, denn ein Punkt war ein Bild seiner Frau, der andere die Empfehlung, einen Mathematiker einzustellen. Aber zehn Punkte klingen einfach besser 🙂

  1. Internet math is business math
  2. Josh zeigte hier anhand von einfachen Beispielen, dass sich alles auf mathematische Gleichungen herunterbrechen lässt. Folgendes Beispiel sollte jedem bekannt sein:

    Impressionen*CTR=Click=Visits*Conversionrate=Conversion*durchschnittlicher Warenkorb=Umsatz-Kosten=Gewinn

  3. If you don’t have the metric, make one
  4. Jeder Webseitenbesitzer sollte im Vorfeld überlegen, welche Zahlen er braucht, um dann entsprechend Daten auf der Domain einzusammeln. Das Sammeln der Daten kann mithilfe von Tools, aber auch durch Fragebögen geschehen.

  5. Tie the issue to revenue
  6. Hier ging es vor allem darum, wo die Daten gespeichert werden. Josh nannte leider keine Tools oder einen Workflow, sondern empfahl jedem, sein eigenes System zu finden.

  7. Store and structure your data
  8. Das Zusammenführen der Daten stellt oft ein größeres Problem dar. Hier blieb Josh sehr allgemein und verwies nur auf den einen gemeinsamen Nenner, mit dem sich die Daten zusammenführen lassen, egal ob es sich um eine Kampagne oder eine Zielseite handelt.

  9. Analytics and insights
  10. Hier wurde es dafür wieder sehr konkret. Wie auch Rand Fishkin am zweiten Tag sagte: „testing, testing, testing“. „Testen bedeutet lernen, solange man die Daten vernünftig auswertet“, sagte Rick Backus eine Session zuvor. Als Tipp nannte Josh:

  11. Test, test, test
  12. Wie bereits oben erwähnt: Um die Daten zu validieren, sollte man testen, testen, testen. Ein auf der Konferenz oft genanntes Tool hierfür ist: Optimizely

  13. Use Data to empower action
  14. Hier ging es vor allem um die Nutzung der Daten. Wie stehen die Daten im Zusammenhang miteinander? Wann sollte was ausgespielt werden? Warum passiert genau das, was passiert, und wie kann man darauf reagieren? Ziel ist, den Kunden oder Nutzer besser zu verstehen und ihm das von ihm Erwartete zu zeigen.

  15. Give people the data
    1. Gib die Daten deinen Angestellten, da sie dann bestimmte Entscheidungen oder Vorgehensweisen besser verstehen.

      Ein Unternehmen kann es also auf Basis von Zahlen und Testing schaffen, seine Mitarbeiter zu motivieren und den Nutzer glücklich zu machen. Für das Unternehmen entsteht somit eine win-win-win-Situation.


      Justin Cutroni – Measuring WHOs: How to Migrate to User-Centric Measurement

      Justin Cutroni aus dem Analytics-Team von Google gab uns bei seinem Vortrag einen Überblick über das Tracking von Nutzern anhand der User-ID und dessen optimale Umsetzung.

      Durch die Zuweisung einer ID an jeden Nutzer ist es möglich, die Daten von Analytics noch viel granularer auszuwerten, nämlich auf Nutzer-Ebene. Bei jedem Besuch des Nutzers werden Daten wie die Verweildauer auf der Seite, die Seitenaufrufe pro Besuch und die Transaktionen gesammelt und gespeichert. Die User-ID ist daher ein wertvolles Mittel, um Kunden in verschiedene Gruppen zu clustern und besonders wertvolle Nutzergruppen zu identifizieren. Dieses Wissens kann man sich anschließend beim gezielten Ausspielen an Informationen für die verschiedenen Nutzergruppen bedienen, um deren Anforderungen und Bedürfnisse bestmöglich zu erfüllen.

      Justin Cutroni von Google

      Um die bestmöglichen Informationen aus den Auswertungen der User-IDs ziehen zu können, sollten drei Prozessschritte beachtet werden:

      1. Redefine your KPIs
      2. Im Vorfeld der Auswertungen sollte festgelegt werden, anhand welcher KPIs die Nutzer geclustert und bewertet werden sollen. Abhängig von dem Segment und dem Angebot der Webseiten können unterschiedliche KPIs sinnvoll sein: Ist es das Ziel einer Webseite, den Nutzer möglichst lange auf der Seite zu halten und somit eine möglichst hohe Verweildauer zu schaffen? Sollen Nutzer möglichst schnell eine Transaktion tätigen? Oder sind diejenigen Nutzer besonders wertvoll, die eine Seite regelmäßig besuchen?

      3. Reimplement
      4. Anhand der festgelegten KPIs sollten im nächsten Schritt die Ziele im Analytics-Account neu definiert werden, um eine Auswertung der Nutzergruppen zu ermöglichen.

      5. React
      6. Im letzten Schritt sollte man sich die Frage stellen, was man mit den gesammelten Informationen anfängt. Justins Empfehlung dazu ist: „Don’t treat everyone the same!“. Vielmehr muss man es schaffen, den verschiedenen identifizierten Nutzergruppen genau die passenden Informationen auszuspielen, bzw. sie bestmöglich auf der Webseite zu leiten, um die gewünschten Ziele zu erreichen.


      Joanna Lord – The Loyalist Advantage – How to Measure & Increase Customer Loyalty

      Joanna Lord, CMO der Agentur BigDoor, stellte in der letzten Session des ersten Konferenz-Tags die Frage: „Wie schafft man es, dass Nutzer sich mit einer Brand identifizieren?“

      Hintergrund der Frage war das Ergebnis einer Studie unter Betreibern von Webseiten. Dieses zeigte, dass sich das Nutzerverhalten in den letzten Jahren deutlich verändert hat. 80% der befragten Webseitenbetreiber konnten jedoch nicht konkret sagen, was genau sich am Nutzerverhalten geändert hat.

      Joanna Lord Loyality

      Da die Nutzer heute sowohl eine große Auswahl an Anbietern/Dienstleistern als auch unbegrenzte Anwendungsmöglichkeiten, z.B. durch Mobile Devices, genießen, ist es für eine einzelne Brand äußerst wichtig, neue Kundschaft zu generieren, bereits konvertierte Nutzer an sich zu binden, und eine Loyalität zwischen sich und dem Nutzer aufzubauen.

      Als Brand sollte man sich daher folgende Frage stellen: „Wie kann ich meine Nutzer davon überzeugen, meine Brand zu lieben?“ Der Weg hierzu besteht laut Joanna aus vier Prozessschritten:

      1. Discovery Schaffe informative und hilfreiche Inhalte, durch die sich deine Nutzer
        verstanden und wertgeschätzt fühlen.

      2. Comparsion
      3. Vergleiche dich mit deinen Wettbewerbern und stelle deine Vorteile deutlich heraus. Vermittle deinen Nutzern die Werte, für die du stehst. Sei als Brand so transparent und fassbar wie möglich.

      4. Decision
      5. Finde heraus, was deine Nutzer zu einer Transaktion triggert. Verstehe die Bedürfnisse und Anforderungen deiner Nutzer.

      6. Evaluate
      7. Motiviere deine Nutzer dazu, dir regemäßig Feedback zu geben. Gib ihnen ein Sprachrohr und lass sie sich verstanden und wertgeschätzt fühlen. Bedanke dich bei deinen Nutzern für ihr Feedback.

      Laut Joanna wird es in Zukunft für Brands immer mehr von Bedeutung sein, eine Community aufzubauen, der die Nutzer mit Stolz angehören. Ihr Fazit lautet daher: „The bigger brands of tomorrow will have begun investing in loyalty today.“


      Rand Fishkin – Why great Marketers must be great skeptics

      Rand Fishkin erörterte auf der SearchLove die Frage, warum gute Marketer ebenso gute Skeptiker sein müssen. Aufmerksamkeit erregte er bereits zu Beginn durch die eher lustige Nachricht, dass 25% der Amerikaner nicht glauben, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Als er dann noch belegen konnte, dass dem wirklich so ist (auf die genaue Erklärung verzichten wir hier mal ;-)), war das Publikum natürlich gespannt, in welche Richtung sich dieser Ausflug in unser Sternensystem entwickeln würde.

      Rand Fishkin Skeptics

      Hauptaussage von Rand war, dass Marketingfachleute viel zu oft zu kurz denken, nicht genug testen und hinterfragen und somit Kausalität und Korrelation verwechseln. Dies konnte er an einigen Beispielen aus der Marketingpraxis aufzeigen. So konnte er mit Moz den Umsatz einer einzigen Landingpage wesentlich steigern, nachdem diese durch zusätzlichen Content deutlich umfangreicher gestaltet wurde. Weniger skeptische Marketer würden daraus folgern, es sei eine gute Idee, nun alle Landingpages mit mehr Content anzureichern, da umfangreiche Landingpages offensichtlich besser konvertieren als weniger umfangreiche.

      Gute Marketer hingegen führen einen A/B Test durch, um zu prüfen, inwiefern sich die Länge der Landingpage wirklich auf die Conversion Rate auswirkt. Als besonders gute Skeptiker stellte Rand jedoch diejenigen heraus, die sich hinterfragen, was sich auf der Seite neben der Textlänge geändert hat – die also prüfen, ob tatsächlich die Länge oder vielleicht ein ganz anderes Kriterium ausschlaggebend für die Optimierung der Conversion Rate war. Schließlich stellte sich bei den Tests von Moz heraus, dass die Länge gar nicht das ausschlaggebende Kriterium für die bessere Conversion Rate war. Auch, nachdem die Länge mehrmals verändert wurde, konnten gleiche Ergebnisse festgestellt werden.

      Was unterscheidet nun den weniger skeptischen von den skeptischen und den überaus skeptischen Marketern? Laut Rand hinterfragen die weniger skeptischen Marketer nicht, ob es sich bei Korrelationen wirklich um Kausalitäten handelt. Entscheidungen werden nicht validiert. Der skeptischere Marketer hingegen ist sich bewusst, dass Korrelation nicht immer Kausalität voraussetzt. Vermutungen werden mit Daten belegt oder widerlegt. Der überaus skeptische Marketer weiß, dass Korrelation nicht Kausalität impliziert. Er untersucht sämtliche Gründe, warum ein bestimmtes Ergebnis eingetroffen sein könnte und lässt sich nicht durch zufällige Korrelationen überzeugen, die auch mehrmals auftreten können.

      Rand Fishkin Conversion Decisions

      Am Beispiel der Conversion Rate Optimierung stellte Rand heraus, dass es nicht reicht, verschiedenste A/B Tests durchzuführen und im Unternehmen eine „Kultur des Testens“ zu implementieren. Vielmehr sollte man die richtigen Personen befragen, wo Probleme liegen könnten – und dabei handelt es sich um den Kunden. Der überaus skeptische Marketer würde versuchen, die „richtigen“ Kunden anzusprechen anstatt zu versuchen, jeden glücklich zu machen, da dies ohnehin unmöglich erscheint.

      Weitere Fälle, wann und inwiefern Marketer skeptisch sein sollten, spielte Rand anhand von Beispielen aus den Bereichen Web-Sicherheit, Social CTR, der Einbindung von Share-Buttons, der Relevanz des Anchortextes in der Suchmaschinenoptimierung und dem Einfluss von Google+ auf nicht personalisierte Suchergebnisse durch.


      Darren Shaw – How to prioritize your local search work

      Darren Shaw hielt einen sehr interessanten Vortrag zur Priorisierung bei der Optimierung auf lokale Suchanfragen. In einer perfekten Welt könnte man sicherlich sehr viele Verfeinerungen und Optimierungsmaßnahmen bei der lokalen Suchmaschinenoptimierung durchführen – doch wer hat als Einzelhändler, Handwerker oder Dienstleister schon die Zeit dazu? Doch bereits nach einem halben Tag Arbeit lassen sich erste gute Ergebnisse erzielen, wie Darren erklärte.

      Fünf Kernthemen sind bei der lokalen Optimierung zu beachten:

      • Bewertungen
      • die Optimierung der Webseite
      • Google+ Local
      • Erwähnungen des Unternehmens im Netz
      • Links

      Wie durch die organische Suchmaschinenoptimierung bekannt, verfolgt Google stets das Ziel, das Nutzererlebnis zu maximieren. Aus diesem Grund haben Bewertungen innerhalb des Unternehmensprofils bei Google auch einen extrem hohen Einfluss auf ein gutes Ranking in den lokalen Suchergebnissen – ein Unternehmensprofil mit Bewertungen bietet dem Besucher direkt deutlichen Mehrwert gegenüber leeren Profilen und sorgt für Vertrauen. Anhand eines Beispiels verdeutlichte Darren die Relevanz der Bewertungen für das Ranking in den lokalen Suchergebnissen.

      SearchLove Conference

      Zunächst seien fünf Bewertungen für das Unternehmensprofil völlig ausreichend. Man sollte allerdings im Kundenkreis nicht um Bewertungen bitten oder gar betteln – vielmehr gilt es, die Kunden, insbesondere zufriedene (Stamm)Kunden, auf die Möglichkeit der Bewertung aufmerksam zu machen und diese zu bewegen, ihre ehrliche Meinung zum Unternehmen zu verfassen. Hilfreich ist es, wenn innerhalb der Bewertungen die Suchbegriffe auftauchen, zu denen man später gefunden werden möchte. Doch auch hier ist Natürlichkeit „spammigen“ Methoden vorzuziehen. Darren empfahl das Tool getfivestars.com, das einerseits die Bitten der Nutzer um Empfehlungen vereinfacht und andererseits bei der Diversifikation der Quellen unterstützt, auf denen bewertet werden kann. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Bewertungen bei der lokalen Suchmaschinenoptimierung den geringsten Arbeitsaufwand, aber den höchsten Mehrwert versprechen.

      Bei der Optimierung der Webseite wird zwischen Unternehmen mit einer und Unternehmen mit mehreren Filialen unterschieden. Bei Unternehmen mit nur einer Filiale dient als Landingpage in den lokalen Suchergebnissen die Startseite, die dementsprechend optimiert sein sollte. Hat das Unternehmen mehrere Filialen, so sollte für jede Filiale eine eigene Landingpage vorhanden sein. Darren empfiehlt in der URL sowohl den Namen der entsprechenden Stadt als auch das Haupt-Keyword zu verwenden.

      Im Title sollte neben Stadt und Haupt-Keyword auch der Unternehmensname, wie er bei Google angemeldet wurde, eingefügt werden. Außerdem sollten auf der Landingpage einige Informationen über das Unternehmen, also ein typischer „Über uns“-Bereich zu finden sein sowie Name, Adresse und Telefonnummer in schema.org-Auszeichnung. Zuletzt ist auch die Einbindung von Google Maps zu empfehlen. Dass auf den für die lokalen Suchergebnissen optimierten Seiten die technischen Voraussetzungen geschaffen werden müssen und keine technischen Fehler bestehen dürfen, versteht sich von selbst.

      Konferenzgebäude

      Im Rahmen von Google+ Local sollte zunächst sichergestellt werden, dass keine doppelten Listings bestehen. Sollten solche vorhanden sein, lassen sie sich recht leicht an Google reporten und werden daraufhin entfernt. Auch sollten sinnvolle, passende Kategorien gewählt werden, die das Unternehmen gut beschreiben. Statt „Pizza und Pasta“ sollte der Italiener um die Ecke also lieber „Italienisches Restaurant“ als Kategorie nutzen. Darren wies nochmals darauf hin, sich unbedingt an die Guidelines zu halten und Keyword-Spam zu vermeiden.

      Um Erwähnungen des Unternehmens im Internet zu generieren, sollten die Firmendaten (Name, Adresse, Telefonnummer etc.) zunächst bei mindestens einem großen Datenaggregator eingetragen werden. Außerdem sollten Einträge in einigen ausgewählten Branchen- und lokalen Verzeichnissen getätigt werden.

      Darren betonte außerdem, dass man auf die für lokale Suchergebnisse optimierte Seite zumindest einen wirklich starken Link sowie eine Handvoll Links mit lokalem Bezug generieren sollte.
      Alles in allem gab Darren einen wirklich guten Überblick über die lokale Suchmaschinenoptimierung und zeigte, dass gute Arbeit nicht immer viel Zeit in Anspruch nehmen muss. Allerdings kommt es natürlich immer auch auf die Konkurrenzsituation in der jeweiligen Branche an.


      Rob Toldeo – The Hunter/Gatherer

      Die Präsentation von Rob Toldeo startete mit seinem Bekenntnis, wie schlecht er doch in PowerPoint ist – die Lacher hatte er somit direkt auf seiner Seite, herrlicher Start für eine stimmungsvolle Präsentation! Thema der Präsentation war die Fragestellung, wie sich Entscheider von relevanten möglichen Quellen von Links, und somit Empfehlungen, überzeugen lassen, eben jene zu publizieren. Robs Team führt seiner Aussage nach eine Liste von über 15.000 potenziellen Quellen, sprich Blogger und Journalisten. Doch er selbst kann – wie wohl die meisten von uns – an einer Hand abzählen, wie oft er bereits Gastbeiträge, Empfehlungen etc. auf seinen Webseiten auf Anfrage hin veröffentlicht hat. Letztlich vertrauen wir alle auf unsere Instinkte, wenn wir uns entscheiden, eine Quelle zu verlinken – oder eben nicht.

      Am Beispiel des Bürohundes Joe von Distilled zeigte Rob auf, dass alle Lebewesen einen Jagdinstinkt haben – ob Hund oder Mensch, es bringt nichts, jemandem das Stöckchen nur vor die Füße zu legen – er möchte es jagen und gewinnen. Genauso verhält es sich seinen Ausführungen zufolge auch bei der Kontaktaufnahme zu Journalisten. Die Blogger und Journalisten möchten nicht bloß irgendwelche Informationen vorgelegt bekommen, die sie bereits in x-facher Ausfertigung im Netz finden können. Vielmehr sind sie daran interessiert, Informationen und Inhalte als erste zu finden, sie förmlich zu jagen. Um beim Beispiel der Jäger und Sammler zu bleiben: Der Jäger würde schließlich auch kein verdorbenes altes Fleisch (alte Inhalte) aufheben und dieses mit seinem Stamm (seiner Leserschaft) teilen.

      Die Quintessenz der Ausführungen war, dass das Ziel im Outreach nicht sein sollte, möglichst laut und auffällig Inhalte und Nachrichten, die man spreaden möchte, an die Zielgruppe heraus zu schreien. Vielmehr liegt die Kunst erfolgreichen Outreachs darin, den Samen in den Köpfen der Entscheider zu pflanzen, selber auf die Idee zu kommen, die Inhalte aufzugreifen. Man sollte also nicht nach dem Gießkannenprinzip möglichst freizügig mit seinen interessanten Informationen an die Entscheider heran gehen. Stattdessen liegt die Kunst darin, herauszufinden, wo sich die interessanten Blogger und Journalisten bewegen und woher sie ihre Informationen beziehen.


      Marshall Simmonds – Log File Analysis

      Vor der Kaffeepause am zweiten Konferenztag sprach Marshall Simmonds, Gründer der Define Media Group, über die Logfile-Analyse. Den Vortrag begann er mit einer Beispiel-Sitemap, in der über 100 Millionen Seiten eingereicht, jedoch nur 512 indexiert waren.

      Marshall Simmonds

      Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte er Rand Fishkin und das gesamte Auditorium mit seinem technisch sehr anspruchsvollen Vortrag in den Bann gezogen. Er skizzierte zwei unterschiedliche Fälle:

      • Domain mit ca. 100.000 Seiten
      • Domain mit über 10.000.000 Seiten

      Während einige Zuhörer noch über die Größe der Seiten nachdachten, legt Marshall seine Tools offen, mit denen er gerne arbeitet. Dabei empfahl er vor allem das Tool Splunk. Als kostenlose Variante nannte er das Tool WebLog Export. Zusätzlich empfahl er, sich Tools zu suchen, die die Darstellung großer Daten ermöglichen. Er fügte hinzu, dass er Excel zwar mag, doch dass die Tabellenblätter bei seinen Auswertungen an ihre Grenzen kommen.

      Für beide Fälle fing er mit einfachen Auswertungen an. Dabei kam er zu der Erkenntnis, dass die Verzeichnisse mit einer hohen Page Authority nicht häufiger gecrawlt werden als andere Domains; und folglich das Crawling das Ranking nicht beeinflusst. Jeder Webmaster kann jedoch Einfluss auf das Crawling nehmen, indem Crawling-Barrieren wie 400er oder 500er vermieden werden. Zusätzlich konnte er beobachten, dass Google nach einem Release länger auf den Seiten bleibt, auch gesperrte oder ausgeschlossene Verzeichnisse crawlt und kürzer auf der Seite bleibt, wenn der Google-Bot über externe Links auf die Seite kommt.

      Zum Schluss zeigte er anhand einer Auswertung, dass die Zahl der Crawling-Statistik in den Webmaster Tools deutlich geringer ist, als sie in Wirklichkeit ist. Google präferiert beim Crawling vor allem Suchseiten oder Seiten mit vielen internen Links, da der Bot so einen schnellen Eindruck von den Inhalten der Seite bekommt.
      Bei der abschließenden Q&A-Session verriet er, dass 404-Seiten PageRank weitergeben, er diese aber immer per 301 umleiten würde.


      Chris Savage – Building Audience with video

      Als letzter Speaker der diesjährigen SearchLove in Boston trat Chris Savage, Gründer von wista.com, vor die Zuhörer. Er versprach, passend zum Thema viele Videos zu zeigen.

      SearchLove Besucher

      Der Vortrag startete direkt mit einem Video, in dem ein Motorcross-Fahrer uns via Helmkamera mit auf die Fahrt nahm. Über welche Kamera jetzt gesprochen würde, war allen schnell klar: Es war ein Spot des Herstellers GoPro. Anschließend zeigte Chris auf, dass die Kamera längst nicht die Features vieler Konkurrenten hat, sich jedoch trotzdem verkauft. Die Antwort auf die Frage, warum dies so sei, lieferte er sofort hinterher. GoPro verkaufe nicht nur ein Produkt, sondern eine Mission. Nach Chris‘ Aussage macht das auch Nike mit seiner neuen Kampagne „Don’t just watch them, join them – show how you risk everything“. Viele Fans schicken Videos ein, die zeigen, wie sie für ihre Aufnahmen eine Verletzung riskieren. Abschließend können natürlich die passenden Schuhe gekauft werden.

      Das Thema Conversion nahm Chris ebenfalls auf. So zeigte er Beispiele von Seiten, auf denen nur das Video und Kommentare zu finden sind, und der Sign-up-Layer erst nach dem Ende des Videos erscheint. Auch mit Videos im E-Mail-Marketing seien sehr gute Erfahrungen gemacht worden. Die Verkäufer schreiben nicht, sondern senden ein Video und sprechen die Leute direkt an.

      Für ein gutes Video sind nach Chris‘ Einschätzung folgende Dinge wichtig:

      1. Script – Ablauf und Text definieren
      2. The Table Read – anderen laut vorlesen und die Reaktion abwarten
      3. The Setup:
        • Ort
        • Lichter – sieht immer professioneller aus
        • B-roll – was passiert im Hintergrund
        • Get loose – Schüttle alles ab, damit du möglichst natürlich wirkst
      4. The Edit – Zusammenschneiden der besten Szenen
      5. Abschließend mahnte er, dass vor allem Emotionalität, die Mission und natürlich das regelmäßige Veröffentlichen von Videos im Vordergrund stehen, um eine große Fangemeinde zu erreichen.

        Als Beispiel-Video sei das folgende hervorzuheben:


        Wir bedanken uns ganz herzlich beim Team von Distilled für die herausragende Konferenz. Vorträge waren top, die Lunchpakete spitze, das abendliche Event in der Baseball-Kneipe hat auch Spaß gemacht – weiter so! Wir haben einige sehr spannende Inspirationen mitgenommen und genießen jetzt noch zwei Tage in Boston – mal von SEO und Online Marketing ganz abgesehen eine sehr empfehlenswerte Stadt, die man unbedingt mal besucht haben sollte!


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Kommentare (8)

  1. Ein ordentlicher informativer Artikel, der einem erspart nach Boston zu reisen und erspart sich in einen Konferenzsaal zu setzen. Es gäbe aus meiner Sicht ein paar wenige Kritikpunkte, die mir auf akm3 schon öfters aufgefallen sind. „Tests zeigen eindeutig, dass das gezielte Steuern der Linkpower durch interne NOFOLLOW-Links noch funktioniert – zumindest bei den Testdomains.“ Ein Testergebnis, das etwas eindeutiges zeigt, muss nicht bedeuten, dass es richtig ist. Das ist eine alte wissenschaftliche Regel. Zum Beispiel sagt eine Wahrsagerin heute, dass AKM3 morgen von Facebook gekauft wird, morgen kauft Facebook AKM3, die Beweisführung, dass die Wahrsagerin die Fähigkeit zum Wahrsagen hat ist NICHT erbracht. So ist es auch mit dem Test, nur weil die gezielte Steuerung der Linkpower im Test zu funktionieren schien, heißt dass nicht, dass die Ursache dafür die Steuerung war. Das würde ich als Autor hinzufügen.

    Viele Grüße, Elke Greim.

  2. Tests zeigen eindeutig, dass das gezielte Steuern der Linkpower durch interne NOFOLLOW-Links noch funktioniert – zumindest bei den Testdomains.

    Könnt Ihr hierzu etwas ins Detail gehen? Also was genau hat funktioniert und wie wurde es getestet?

    • Leider hat Matthew nicht mehr zu dem Thema gesagt, als dass er es ausprobiert und es anscheinend funktioniert hat. Er hat weder die Domain genannt, die er benutzt hat, noch sonst irgendwelche weiteren Infos. In dem Fall müssen wir uns also einfach auf seine Aussage verlassen. Deshalb der Zusatz, dass es Testdomains waren.

  3. Wow! – Echt ein sehr geiler und absolut toll gemachter Artikel. Der Recap zu diesem hochrelevanten SEO-Event in Boston ist voller wichtiger Onlinemarketinginfos, welche jeder SEO für seine alltägliche Optimierungsarbeit für diverse Kundenprojekte wirklich sehr gut gebrauchen kann. Seo ist also noch lange nicht tot und wird gerade jetzt erst so richtig spannend. Toll, dass endlich mit diesen sinnlosen Seo-Mythen, welche überall kursieren, aufgeräumt wird. Gerade der bereits mehrmals totgesagte Google-Authorship wird immer wichtiger als Rankingfaktor. Das ist auch gut so! – Es wird auf diesem Gebiet noch sehr viel zu erwarten sein. Google will wissen, was Fachleute wann und wo schreiben. So kann ein guter Artikel von einem guten Autor auch auf schlechten Domains gut ranken. Die Contentqualität wird somit eindeutig als elementares Rankingkriterium entsprechend aufgewertet.

  4. Bitte gern mehr Informationen über das Thema nofollow. Wäre der erste Test seit Jahren zum dem Thema der eine Richtung zeigt die eigentlich nicht erwünscht ist.

    Und gern mehr Infos auch zum Thema 404 Seiten geben PR weiter.

  5. Hallo,

    wirklich sehr schöner und ausführlicher Recap. Schade, dass man während der Woche solche Texte fast nur noch überfliegt, aber nun naht ja das Wochenende und da findet sich bestimmt ein bisschen Zeit alles hier ausführlich zu lesen…

    Grüße

    Gretus

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