Google Plus

Diesen Kollegen hier ist vorletzte Woche ein ziemlich genialer PR stunt gelungen. Die haben irgendwelche mysthischen Daten erhoben und Google Plus zum zweitgrößten Social Network der Welt ausgerufen. Humbug ohne gleichen (!) Aber bei allen möglichen Publikationen, inklusive Forbes und sonst was allem, ist die Meldung aufgegriffen worden. Was man dem geneigten Journalisten oder Blogger raten möchte, der kurz davor steht so eine Meldung aufzugreifen und ebenfalls in die Internetosphäre zu schreiben ist, mal Google Trends als Plausibilitätscheck zu nutzen. Wenn die Leute ein Social Network wirklich aktiv nutzen, dann suchen sie auch danach. Und zwar „Brand Searches“! Wir starten mal den Gedankengang damit zu schauen ob und wie Google+ gesucht wird.

Man sieht schön, dass es eine dominante Schreibweise gibt „Google Plus“, und das die anderen Schreibweisen jetzt noch unendlich viel additiven Traffic oben drauf bedeuten. Man kann gut davon ausgehen, dass man die dominante Schreibweise vielleicht in Gedanken verdoppeln muss und dann hat man die Brand-Searches zu Google Plus in allen Schreibvariationen.

Jetzt vergleichen wir das doch mal bei Trends mit den großen Social Networks Facebook, Twitter und Youtube

Man sieht, dass der Vergleich fast unfair ist. Google + ist praktisch „unsichtbar“. Also versuchen wir mal eine Vergleich mit Gegnern etwas kleineren Kalibers. So eher den Newcomern wir Pinterest, Tubmlr oder aber alten Hasen wie Orkut (was auch zu Google gehört) oder Linkedin.

Auch hier sieht man, dass der Vergleich fast immer noch wie zwischen verschiedenen Gewichtsklassen ist. Besonders lustig ist der Orkut Fall. Das ist praktisch schon komplett überführt in Google Plus aber sieht optisch noch etwas anders aus. Gehört auch zu Google aber die Leute nennen es eben immer noch x-fach mehr Orkut als Google+ …

Suchen wir als mal Gengner Kandidanten für den Vergleich, die vielleicht eher der realistischen Gewichtsklasse von Google+ im aktuellen Zustand entsprechen. Ich habe da mal nur die vergangenen 12 Monate genommen und mich für Xing, Viadeo (französisches Pendant zu Xing) und dann den „untoten“ ehemaligen Giganten MySpace genommen.

Man sieht, dass man hier eher bei passenden Größenrelationen angekommen ist. Wenn man sich in Erinnerung ruft, dass man bei G+ die verschiedenen Schreibweisen hat wäre also eine passendere Meldung als „G+ ist das zweitgrößte soziale Netzwerk der Welt“ eher „G+ hat jetzt MySpace eingeholt“ oder sowas in der Art 😉

SeitenhiebeNebengedanken hintenraus

Ich vermute, dass die Untersuchung systematische Fehler hat und z.B. nur der Aufruf eines inaktiven Google Plus Buttons oder sowas fälschlicher Weise als aktive Nutzung von Google Plus interpretiert wird. Oder eben das Einloggen bei Youtube, was ja auch mit dem G+ Account zusammengeführt wurde.

Außerdem schaufelt Google SEO Traffic auf GooglePlus, der früher eher bei Personensuchmaschinen landete und das in allen möglichen Ländern.

Und wenn man sich jetzt noch anschaut „wo“ G+ gerade besonders relevant ist:

… dann sind das nicht gerade die kommerziell relevantesten Länder bis auf die USA 🙂

Sicherlich wird Google+ relevanter und sicher auch mal für SEO spannend aber das braucht noch ordentlich Zeit …

Habt ihr die Meldung vom scheibaren Sieg von Google+ über fast alle auch gelesen? Was waren eure Gedanken dazu? Was haltet ihr von den oben beschriebenen Gedankengängen? Kann man so an diese Fragestellung ran gehen?

© Image via Wikimedia Commons – „Google+ logo“ by Varnent
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Kommentare (11)

  1. Ich halte den erhobenen Status von Google+ auch für übertrieben. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass Google+ ja quasi in alle Google Konten (Youtube, Suche etc.) integriert ist. Da genügt ein Klick und man ist „drin“. Der „Fehler“ dieser Analyse liegt hier darin, die Nutzung anhand der Suchanfragen fest zumachen.

    Was ich ich aber auch bei Eurem Beitrag bemerkenswert finde ist, dass Indien, Bangladesh und Co. bei dem Thema alle weit vorne stehen. Das hatte ich mal mit einem anderen SEO-Thema. Ein Großteil der OffPager, Blackhatter und Programmierer kommt ja von dort.

  2. Moin Andre,

    Schön hinterfragt, aber wie erklärst Du Dir dann gewaltigen Traffic-Impact, den Google+ gerade im Blog-Bereich (Themen: Online-Marketing, SEO, etc.) aufweist.

    Kurz angedeutet: Google+ ist (obwohl erst viel jünger) mit Abstand mein „bestes Pferd“ im Stall und für unsere beiden Unternehmensblogs der beste Traffic-Lieferant.

    Und genau so muss man die Frage auch angehen, denn es ist genau niemandem außer den Bullshit-Bingo Leuten geholfen, wenn man eine Aussage darüber trifft, welches soziale Netzwerk das größte weltweit ist.

    Es geht immer nur um die Frage welches Netzwerk am besten passt und am meisten Sinn macht, weil da die Zielgruppe hauptsächlich zu finden ist. Darauf aufbauend kann man sich dann eine Social Media Strategie zurechtzimmern. Daher hat mich diese Meldung letzte Woche auch nicht im geringsten tangiert…

    Gruß,
    Sebastian

  3. Moin Andre,
    ich muss da Marcel zustimmen. Google+ über die Suchanfragen zu bewerten halte ich ebenfalls nicht repräsentativ. Auch z.B. bei myspace dürften die Spitzen aus den Nachrichten über den Relaunch und die neuen Investoren herrühren.

  4. Sehe ich auch so. G+ kann ich so nicht vergleichen. kein Mensch sucht den G+ Brand in der Suche, weil es überall (auf allen Google Seiten oben links bzw. oben rechts präsent ist.

    Genauso könnte ich über Google Trends herausfinden, welches die größte Suchmaschine ist….

  5. Ich bin echt kein glühender Verfechter von G+, ganz im Gegenteil. Aber deine These „Wenn die Leute ein Social Network wirklich aktiv nutzen, dann suchen sie auch danach“ kann ich nicht so ganz glauben.

    Ich verbringe (auch beruftlich bedingt) jeden Tag mehrere Stunden auf Facebook – mir würde aber nicht im Traum einfallen, nach der Brand „Facebook“ jemals in Google zu suchen.

  6. Also, man kann ja in Frage stellen, wie groß und sinnvoll Google+ nun ist. Das allerdings mit der These »Wenn die Leute ein Social Network wirklich aktiv nutzen, dann suchen sie auch danach« zu beginnen, ist genauso unseriös. Zumindest ist die Überschrift recht reißerisch.

    Und wie schon andere Leute bemerkt haben: Allgemeine Aussagen über Soziale Netzwerke greifen nicht. Einige sind mit Pinterest zB erfolgreicher als mit Facebook. Es kommt auf den Einzelfall an. In Anbetracht von SEO und der Verknüpfung von Google und Google+ wäre es für einige Webseiten/Unternehmen aktuell aber blöd, Google+ einfach zu ignorieren.

  7. Ich denke auch, dass hier systematisch schlechter bewertet wird, wie in der vorhergegangenen „Studie“ positiv verzerrt wurde. Ich denke in der Tat auch, dass man durch die Vereinheitlichung der Google-Konten unter dem Dach Google+ quasi beliebig „echte“ Nutzer und Nutzeraktivität generieren kann. Was das über die tatsächlich Nutzung des Netzwerks „als Social network“ aussagt, ist ein komplett anderes Blatt.

    Ich mag aber der Verdammung der „Wer X nutzt, sucht X“-These stark widersprechen. Es ist irrsinnig, wie hoch die Quote derer ist, die schlicht die Googlezeile statt Browserzeile, -history oder Bookmark nutzen. Ich denke, man kriegt eher die Hälfte als weniger der Nutzer über diese Trends bei den Suchanfragen mit. Die Quote wird bei Google Plus aufgrund des hohen Anteils an SEO/Netzprofessionals niedriger sein, aber eben das belegt eben auch, dass die Nutzung noch nicht annähernd in der breiten masse angekommen ist, wie es die glamourösen „zweitgrößtes Netzwerk“-Zahlen suggerieren. Insofern, ich denke, Andre ist definitiv deutlich näher an der Wahrheit.

  8. Uwe:
    Sehe ich auch so. G+ kann ich so nicht vergleichen. kein Mensch sucht den G+ Brand in der Suche, weil es überall (auf allen Google Seiten oben links bzw. oben rechts präsent ist.

    Genauso könnte ich über Google Trends herausfinden, welches die größte Suchmaschine ist….

    Wenn Du in Trends nach Google, Yahoo, Bing suchst, bekommst Du imho recht passende Grafiken – vor allem, wenn Du z.B. auf „Deutschland“ umstellst.

    Und warum sollte man nicht nach „Google“ in Google suchen? Kein Mensch kennt doch alle Dienste und URLs, die Google bietet. Mach mal, ist sehr interessant…

    Ich denke jedenfalls, Andre ist näher an der Wahrheit, als dieser Blog-Schreiber.

  9. Für eine valide Aussage muss erst einmal definiert werden, was denn die Größe eines Social Networks ausmacht. Sind es die aktiven Nutzer? Falls ja, wie ist ein aktiver Nutzer definiert? In welchem Zeitraum muss er sich das letzte Mal eingeloggt haben? Oder ist es vielleicht die Anzahl der Beiträge und Interaktionen, welche die Größe eines Netzwerks bestimmt?

    Das Problem bei all diesen Kennzahlen: Sie sind nicht bekannt und werden höchstens von den Betreibern selbst veröffentlicht. Also muss man sich auf Näherungswerte verlegen, und hier wird es problematisch. Ich halte weder die Zahl der Logins noch die Zahl der Suchanfragen nach einer Marke für valide. Schon eher interessant ist der Traffic, der über die Netzwerke erzeugt wird.

    Sobald es gelingt, eine größere Anzahl unabhängiger Webseiten – möglichst international und themenvariant – auf ihren referentiellen Traffic aus den verschiedenen Netzwerken hin zu untersuchen, kann meines Erachtens eine Aussage über die Bedeutung dieser Netzwerke getroffen werden. Vorher ist alles reine Spekulation.

  10. „Wenn die Leute ein Social Network wirklich aktiv nutzen, dann suchen sie auch danach“

    Hmm. Eher: Wenn die Leute ein Social Network wirklich aktiv nutzen, dann nutzen sie es auch. Überraschung.
    Aber damit lässt sich kein so schön populistischer Artikel einleiten.

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