Die OMReport-Interview-Serie geht in die 5. Runde. Diesmal sprachen wir mit Bas van den Beld, Gründer und Chef-Redakteur von State of Search, einer der führenden englischsprachigen Blogs im Bereich Search und Social. Bas schreibt außerdem für Searchengineland, Searchenginewatch und seine eigene Seite basvandenbeld.com. In diesem Jahr wurde er in England auf Platz 5 der einflussreichsten Online Marketing-Blogger gewählt.

Andre Alpar: Danke für Deine Zeit. Könntest du Dich kurz vorstellen?

Bas Van den Beld: Ja, klar. Ich bin Bas Van den Beld, der Gründer und Besitzer von Stateofsearch.com. Ich bin professioneller Speaker, Trainer und Berater.

Andre Alpar: Ok. Ist der Trainer immer auch ein guter Spieler oder ist es ähnlich wie beim Sport, dass es Trainer gibt, die sehr gute Trainer sind aber nicht sehr gute Spieler und andersherum. Manchmal gibt es Spieler die ihr Glück als Trainer versuchen und es funktioniert nicht.

Bas Van den Beld: Ich glaube nicht, dass ein Trainer auch zwangsläufig ein guter Spieler sein muss. Obwohl der Trainer die Spieler verstehen muss und es hilft definitiv wenn der Trainer weiß wie man das Spiel spielt. Aber er muss kein Top-Spieler sein.

Andre Alpar: Ok. Also denkst Du als Berater – oder wir als Berater –sind wir verwöhnt weil wir nicht das Problem haben die Dinge die wir vorschlagen auch wirklich durchführen zu müssen, oder weil wir eben nicht den Kampf der Klienten kämpfen können, den diese manchmal intern führen müssen, besonders wenn es um SEO oder Social Media geht?

Bas Van den Beld: Ja und ich denke das ist einer der Gründe warum Berater manchmal nicht den besten Ruf genießen. Es ist natürlich einfacher wenn man es nicht tatsächlich tun muss. Du sagst nur was du denkst, was zu tun wäre und dann bist du da raus. Aber ich versuche immer noch so viel wie möglich Information von den Leuten zu bekommen mit denen ich arbeite. Die Leute die ich schule, verstehen tatsächlich was sie tun und ich habe einen Weg gefunden wie ich es schaffe, dass die Organisation
sich selbst besser versteht. Was schlicht bedeutet, dass sie sich auch untereinander gegenseitig schulen. Also ich bin Trainer und ermögliche dass sie sich untereinander schulen.

Andre Alpar: Also ist es mehr eine Art „Kommunkations-Erleichterer“?

Bas Van den Beld: Ja und nein. Ein Teil davon ist die Ausbildung, also manche der Sachen sind neu für sie.
Aber ich weiß nicht ob Du das Prinzip Nelson Mandelas kennst, was er auf Robben Island getan hat.

Andre Alpar: Bitte lass es uns wissen. Ich war auf Robben Island aber ich erinnere mich nicht.

Bas Van den Beld: Ok. Also Robben Island ist ein Gefängnis in Süd Afrika. Und als sie dort in Gefangenschaft waren, wollten sie mehr lernen. Das Problem war, dass sie nur circa eine halbe Stunde am Tag aus ihren Zellen durften, oder vielleicht eine Stunde. Woran sie also dachten war die Idee sich gegenseitig zu unterrichten. Aber sie tauschten ihre Zellen nicht, sondern waren stets in den gleichen Zellen nebeneinander. Also unterrichteten sie sich durch die Zellenwände. Einer von ihnen hatte ein Buch, also erklärte er es demjenigen neben ihm und dann musste die Person neben ihm das Gleiche tun mit der nächsten Person. Du weißt schon, das Spiel mit dem Flüstern.

Andre Alpar: – richtig –

Bas Van den Beld: Nun das ging schief, weil die Leute nicht zuhören. Aber was passiert wenn du Leute schulst und du ihnen erklärst wie sie jemand anderen in dem Thema schulen, über das sie dabei sind etwas zu lernen, hören sie aufmerksamer zu. Und dann gehen sie und schulen die anderen. Und dann passiert etwas Interessantes, weil sie dann anfangen sich darüber zu unterhalten was sie tun oder nicht tun können innerhalb der Organisation. Also helfen sie sich eigentlich, sich gegenseitig zu verstehen. Und ich bin immer da, also lerne ich auch. Jede Trainingssitzung lehre ich nicht nur, ich lerne auch.

Andre Alpar: Also ist es in Deinem Fall so, dass an einem bestimmten Zeitpunkt, Du Deine Trainings-Kunden so gut machst, dass sie dich nicht mehr brauchen? Du also auf eine Art und zu einem gewissen Grad deine eigene Kunden-Basis zerstörst? Ein bisschen dramatisch, entschuldige –

Bas Van den Beld: Dramatisch, ja. Aber wenn du ein guter Trainer bist, sollte das eigentlich dein Ziel sein.
Es sollte dein Ziel sein, nicht mehr länger notwendig zu sein. Weil wenn du bei der Ausbildung einen guten Job machst, werden sie verstehen und es richtig machen. Und ich bin nicht im Ausbildungsbereich tätig um noch mehr Ausbildung machen zu können, sondern damit die Kunden das Prinzip verstehen. Und es gibt „genug auszubilden“ in dieser Welt, man muss nicht an einem Kunden festhalten.

Andre Alpar: Sicher. Also nur um es richtig zu verstehen… in Europa ist Stateofsearch ein großer Blog. Du diskutierst im Prinzip alles was hier so passiert und selbstverständlich auch im Ausland. Aber bist du eine „One-Man-Show“ oder eher eine Organisation?

Bas Van den Beld: Ja, es ist mein Blog, ich betreibe ihn und ich bin der Chefredakteur. Wir haben im Moment 30 -35 Mitarbeiter die für ihn schreiben und dieses Jahr haben wir auch ein Redaktionsteam aufgebaut. Also wir haben sechs Leute die nach dem Content schauen, eine Person die für die ganzen Eventsachen zuständig ist, eine Person für die Tool-Sachen. Also ich muss das nicht mehr alles selbst machen.

Andre Alpar: Ok. Aber ist es etwas das komplett getrennt ist von Deiner Arbeit als Speaker und Ausbilder?

Bas Van den Beld: Ja, es hilft mir mit meinem Profil und es hilft mir natürlich auch zu verstehen was vor sich geht. Und was wir immer versuchen umzusetzen wenn wir schreiben, ist eine der Aufgaben die Blogger immer haben – Blogger haben nicht so viele Aufgaben – aber eine Sache über die sie immer nachdenken sollten ist, ok, für wen ist das? Und wie hilft es dieser Person vorwärts zu kommen. Und wenn wir über Entwicklungen innerhalb der Branche reden, ist da immer die Frage: Und nun? Was bringt uns das? Also ok, es ist nett, dass wir ein neues Feature auf Facebeook haben, aber was ist das Fazit? Was kann man tatsächlich damit machen? Da ist eine Überschneidung.

Andre Alpar: Ok, also Du bist auch ein enthusiastischer Prediger der Social und Search Annäherung, richtig? Also wann hast Du gesagt, ok, das ist so groß, das wird mein fokussierter Bereich? Weil es plötzlich da gewesen ist als dominantes Thema, Bas redet immer darüber, es ist, als ob man es pusht, pusht, pusht…

Bas Van den Beld: Ja, ich habe es tatsächlich die letzten drei oder vier Jahre gepusht, glaube ich. Das Interessante ist, dass ich ein ursprünglicher Geschichtsstudent bin, also ich habe gelernt was sich in der Geschichte zugetragen hat. Und ich habe in vielen meiner Gespräche gesagt, geht man in der Geschichte zurück, haben wir schon immer „Social und Search“ gemacht.
Wenn du zur Zeit der Römer gelebt hast und eine Antwort brauchtest, gingst du zu der ältesten Person der Stadt und hast ihr deine Frage gestellt. Und das ist „Search“.
Und eigentlich ist doch Jesus mit seinen zwölf „Followern“ ein gutes Beispiel dafür wer „Social“ gemacht hat. Er konnte dann mit seiner Nachricht viele verschiedene Leute erreichen.
Also ich hatte immer schon einen anderen Blick auf die Branche als viele Leuten hatten. Ich bin nie zu taktisch gewesen, sondern habe immer versucht auch strategisch zu schauen.
So habe ich auf eine gewisse Art gemerkt als „Social“ mehr und mehr aufkam, dass das Verhalten der Leute das gleiche war wie offline. Und ich habe festgestellt, dass wenn man die Leute beobachtet und dieses Verhalten darauf übersetzt was online passiert, sieht man bestimmte Muster. Und ich bemerkte, dass Google die gleichen Muster sah. Tatsächlich hatte ich Glück, vorherzusagen was Google mit Google Plus vorhatte, bevor sie es gelauncht hatten. Ich war auf der SMX in London und erklärte was ich denke, was passieren wird. Und tatsächlich ist es drei Monate später exakt so passiert. Also, das war Glück.
Aber das war nicht nur ein Moment. Es ist eben meine Art die Welt zu sehen und das online zu übersetzen um zu sehen, ob man Muster erkennen kann.

Andre Alpar: Was denkst Du über die Facebook Graph Search? Denkst Du, dass die Leute bereits verstehen was sie damit machen können?

Bas Van den Beld: Auf keinen Fall.

Andre Alpar: Weil ich ständig Beispiele sehe und denke „oh, ich kann sogar das damit machen, wow das ist unheimlich“. Für mich ist es ziemlich unheimlich und ich muss immer noch etwas experimentieren um herauszufinden was ich tatsächlich damit tun kann. Und ich denke an Use-Cases. Die Use-Cases unterscheiden sich so sehr von dem was wir während ungefähr 12 Jahren Google-Nutzung gelernt haben, richtig? Also was ist Deine Meinung dazu?

Bas van den BeldBas Van den Beld: Ja, es ist komplett verschieden. Nun es ist beunruhigend, das ist sicher. Ich habe Suchen realisiert bei denen ich beispielsweise Leute finden konnte die an Universitäten arbeiten und Schusswaffen mögen, oder Leute die für Facebook arbeiten und Pornos mögen. Man kann Informationen über Einzelpersonen finden, was auf eine Art beängstigend ist. Also für Marketing-Leute ist es interessant, weil man eine Menge Informationen darüber herausfinden kann, wer auf Facebook ist und wie diese Leute auf Dinge reagieren. Man kann verschiedene Themen verknüpfen und feststellen, dass, wenn man über ein Thema spricht, ein anderes Thema ebenso aufkommt, weil diese Leute es auf das andere Thema hinlenken.
Also wenn es darum geht als Marketer Leute zu beeinflussen, denk ich, ist es ein interessantes Tool. Wenn es darum geht, es tatsächlich als Suchmaschine zu benutzen, glaube ich nicht, dass Leute – wie bei Google – hier nach bestimmten Antworten suchen. Also ist es kein direkter Konkurrent für Google. Ich sehe mich zum Beispiel nicht nach einer neuen Uhr bei Facebook suchen, oder ein Uhrenvergleich oder Schuhvergleich oder was auch immer. Aber man sieht, dass die Leute ein Interesse daran haben in Gruppen zu sein. Sie wollen Verbindungen zu ähnlichen Leuten mit ähnlichen Interessen. Und ich denke das ist etwas, wobei die Facebook Graph Search wirklich helfen kann.

Andre Alpar: Zwei Fälle für Dich, nur um es zu beurteilen: Was wäre die richtige Suchmaschine wenn ich, sagen wir, nach „gute Musik“ als Keyword suchen möchte. Das wäre ja wirklich dumm, es genauso bei Google einzutippen, aber es würde total Sinn machen, es bei Facebook auf die richtige Art zu suchen. Aber die Leute wissen das einfach noch nicht.
Eine andere Sache ist, also ich meine, wir sind hier in New York, was wäre wenn ich nach Hotels in New York suche und aber 5000 Ergebnisse bekomme, ist das immer noch hilfreich? Oder sollte ich es besser mit Facebook versuchen?

Bas Van den Beld: Reise ist tatsächlich etwas kompliziert. Ich denke, um ehrlich zu sein, wenn du nach einem Hotel suchst und beides möchtest, also die Hotels und wissen, dass einige deiner Freunde dort gewesen sind, würde ich wahrscheinlich sogar zu Bing gehen. Zumindest in den USA. Was vielleicht eigenartig klingt, weil Bing keine allzu gute Arbeit macht. Vor allem in Europa ist es sehr klein, nun das weißt Du sicher. Aber Bing weiß, wie man beides verbindet. Wenn du also eine Suche nach „Hotel in New York“ bei Bing machst und du in New York bist, dann musst du die US-amerikanische Bing-Suchmaschine dafür nutzen. Du kannst dann in deiner Side Bar sehen, welche deiner Freunde über dieses spezielle Thema sprechen, oder eben nicht sprechen, und das hilft.

Andre Alpar: Ok. Also für die Musik Empfehlung, wie etwa welche neue Musik man hören sollte, würdest Du auch Bing wählen oder würdest Du möglicherweise Facebook wählen?

Bas Van den Beld: Nein, ich würde möglicherweise Facebook ausprobieren aber ich denke es ist mehr eine Kombination von Dingen. Das kommt daher, wie Facebook beispielsweise mit Spotify verbunden ist, also es ist handelt sich nicht mehr länger um nur eine Suchmaschine. Das Problem mit Suchmaschinen, nicht zuletzt mit der Hauptsuchmaschine – wenn man auf die Liste schaut, Google ist die größte Suchmaschine – Spotify ist eine Suchmaschine, Youtube ist eine Suchmaschine, Facebook ist eine Suchmaschine, Twitter ist eine Suchmaschine, also es ist eigentlich ein komplett unterschiedliches Spielfeld. Die Leute nutzen unterschiedliche Typen von Suchmaschinen für unterschiedliche Typen von Suchen – wie zum Beispiel gute Musik. Der gute Musik-Teil wird wahrscheinlich mehr der Typ für die „Social-Suchmaschinen“ sein. Und wo man die Musik kaufen wird, betrifft mehr den „Google-Suchmaschinentyp“.

Andre Alpar: Ok. Nun Du bist ja schon ein bisschen als Speaker durch die Welt gereist. Gibt es einen Kontinent auf dem Du noch nicht warst?

Bas Van den Beld: Asien.

Andre Alpar: Asien noch nicht?

Bas Van den Beld: Nein ich habe noch nicht in Asien gesprochen und auch noch nicht in Afrika.

Andre Alpar: Ok. Also was sind die Unterschiede die Du feststellen konntest, ich meine Du bist ja nicht nur als Speaker dort, sondern hörst Dir auch an worüber andere Leute reden und was man in anderen Präsentationen macht. Was siehst Du dort? Gibt es Unterschiede?

Bas Van den Beld: Nun, ich sehe viele kulturelle Unterschiede. Also die Leute in Großbritannien oder den Niederlanden – in den Niederlanden hat man zwei unterschiedliche Wege – sie sind lockerer wenn es um Fragen des Datenschutzes geht. Ich denke Deutschland ist sehr viel schwieriger wenn es um den Datenschutz geht. So sieht man die kulturellen Unterschiede wenn Leute reden. Ich sehe außerdem, dass in den USA sehr viel mehr taktische Gespräche anstelle von strategischen Gesprächen stattfinden. Die Leute in den USA mögen Taktik lieber als Strategie.

Andre Alpar: OK. Ich werde dir diesen und diesen Trick beibringen und dann kommt eine gute Darstellung dabei raus.

Bas Van den Beld: Exakt. Man sieht viele Leute die beispielsweise antworten „Oh, das war gut“. Während in Europa die Leute dazu tendieren strategischer zu denken.

Andre Alpar: Ok. Also Du passt dich tatsächlich an. Wenn Du zum Beispiel einen bestimmten Inhalt oder eine Handlungslinie hast die Du vermitteln willst, dann passt Du diese an die Leute in den USA an.

Bas Van den Beld: Absolut. Ich mache niemals zweimal die gleiche Präsentation, ich verändere sie immer.

Andre Alpar: Das ist klar. Aber würdest Du auch versuchen eine andere Ebene anzupeilen, du weißt schon, zwischen Taktik und Strategie.

Bas Van den Beld: Es hängt von den Zuhörern ab, ja. Es ist nicht als ob ich sagen würde, ok also ich gehe in die USA und mache das ganze taktische Zeug. Was ich tun würde, wenn ich die USA gehe um dort zu sprechen, ist mehr zu erklären, dass ich über strategischen Sachen spreche sowie über den Unterschied zwischen Strategie und Taktik. Auf diese Weise wissen sie was sie erwartet. Ich passe es nicht soweit an, dass sie nur das taktische Zeug bekommen. Das können sie auch woanders herbekommen. Ich denke sie benötigen auch strategisches Wissen. Sie brauchen eigentlich mehr eine Einführung um zu erklären: Hör zu, wir sprechen hier über Strategie-Elemente und das sind die Gründe warum wir über strategische Elemente sprechen, und dann taucht man in das Thema ein. In Europa dagegen, beginnt man direkt mit den strategischen Sachen.

Andre Alpar: Und wer hilft dann es in Europa aufzuschlüsseln? Wie bringen sie es auf ein taktisches Level?

Bas Van den Beld: Nun, es ist verschieden, meine Präsentationen können sicher nicht einzeln betrachtet werden. Sie sind ein Ausgangspunkt. Man muss sich auch danach noch weiter informieren. Und da kommt Stateofsearch.com ins Spiel. Dort kann man auch mehr taktische Informationen bekommen, durch andere Speaker auf der Konferenz. Du willst nicht nur strategische Gespräche sondern auch taktische, also versuchst du die verschiedenen Präsentationen miteinander zu verknüpfen.

Andre Alpar: Ok. Vielen Dank für Deine Zeit Bas.

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Bisher in dieser Interview-Reihe erschienen:

  1. Simon Heseltine (AOL)
  2. Chris Boggs (SEMPO)
  3. Adam Audette (RKG)
  4. Matt Bailey (SiteLogic)

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