4. Matt Bailey SiteLogic

Im vierten Teil unserer OMReport Interview Serie kommt nun Matt Bailey zu Wort. Matt ist Geschäftsführer von SiteLogic, einer Agentur für Online Marketing Consulting mit Sitz in Canton, Ohio. Außerdem sitzt Matt Bailey auch im Beratungsausschuss der SES New York und ist Verfasser des Buches „Internet Marketing: An Hour a Day.

Andre Alpar: Hi Matt, danke, dass du hier bist! Würdest du dich ganz kurz vorstellen?

Matt Bailey: Na klar, ich bin Matt Bailey, Vorsitzender von SiteLogic und außerdem im Beratungsausschuss für SES.

Andre Alpar: Gut, also du hast diese große These über die Zukunft von Social Media aufgestellt und glaubst, dass es DAS große Ding ist, das jetzt kommt und dass es brandneu ist und dass es alles verändern wird, was ist und wie es ist?

Matt Bailey: Also weißt du, das Wunderbare daran ist, dass es keine brandneue These ist. Sie dreht sich vielmehr darum, dein Unternehmen zu verstehen und deine Botschaft und wo deine Stärken sind.
Ich glaube, dass viele Unternehmen gar nicht auf ihre Ressourcen achten, um herauszufinden, wo ihre Stärken liegen. Sind also deine Stärken im Content Development? Wo sind sie? Und das dann nehmen, um herauszufinden, was deine Kunden wollen – wann sie es wollen. Und dann einen Plan entwickeln: So werden wir interagieren, auf Grundlage unserer Ressourcen und auf Grundlage der wirksamen Medien.

Andre Alpar: Ok, aber du hattest diese tolle Folie, auf der du uns all diese, lass uns sagen, alten Social Media Portale gezeigt hast, die ausgestorben sind und dann warst du… Kannst du da vielleicht noch mal einhaken?

Matt Bailey: Yeah. Also, die Basis dahinter ist: Die Tools werden sich verändern! Weißt du, wie ich schon gesagt haben, ich habe im Jahre 2002 angefangen auf den SES Konferenzen zu sprechen. Und damals sprachen wir über MySpace und Friendster und Bebo und, du weißt, all diese Dinge, über die heute niemand mehr spricht. Und wir sehen, (weißt du): Da ist jetzt der Aufstieg von Pinterest – Und das ist das, was mich wirklich frustriert, die Einstellung, dass nur weil es ein neues Social Media ist, du es nutzen musst. Meine Botschaft ist: Nutze den richtigen Kanal, der der effektivste für die Vermittlung deiner Botschaft ist.

Andre Alpar: Ach so, wenn ich also etwas mache, das sehr optisch ist, das sehr visuell orientiert ist, dann wäre Pinterest das Ding. Und wenn ich eher ein Geschichtenerzähler wäre, dann wäre etwas anderes das Ding?

Matt Bailey: Yeah, ich meine, Pinterest ist gut (weißt du, wie ich gesagt habe) für Sammler, Amateure, Reisen, (weißt du) diese Art von Sachen mit einem sehr speziellen Publikum. Aber wenn du ein Geschichtenerzähler bist, sehe ich YouTube oder sogar das App-Development. Und es ist sinnvoll, sich mit einigen anderen Leuten zusammenzutun, die solche Dinge promoten und Wege finden, die Story zu verbreiten.

Andre Alpar: Und ist es vielleicht so, dass Leute über all diese brandneuen Trends reden, weil sie einfach eine gute Story brauchen, die sie ihren Klienten erzählen können? Denn ich denke, dass viele Leute hier, und im Allgemeinen sind es Agenturen, regelmäßig etwas neues bringen müssen. Wenn du immer, die ganze Zeit über, die du schon auf den SES referierst, also seit etwa zehn Jahren, eine einzige Sache hast, dann würden dir wahrscheinlich die Consulting Gigs ausbleiben.

Matt Bailey: Okay, und du bleibst ständig in Bewegung.

Andre Alpar: Also enthältst du es den Leuten vor? Das ist ja fast schon gemein.

Matt Bailey: Absolut, weil es doch die erste und oberste Priorität eines jeden Unternehmens ist, Geld zu machen. Und daher…

Andre Alpar: Aus der Beraterperspektive ist es also in Ordnung immer aufzuspringen… Ich meine, Pinterest ist die neue große Sache, richtig?

Matt Bailey: Das ist so und damit kannst du Geschäfte machen. Aber ich sehe das so – und deshalb nenne ich es das „Shining Object Syndrom“: „Schau was neu ist und lass es uns tun!“, anstatt einen Schritt zurückzugehen und zu sagen: „Brauchen wir das überhaupt zu machen?“
Sei dir bewusst, wo du dein Geld machst und warum. Und was mich als Berater antreibt – und ich denke das geht vielen Leuten hier so – ist, dass die meisten Unternehmen nicht das Grundlegende tun. Und die Grundlagen sind das, was ich predige.

Andre Alpar: Aber manchmal… Ist vielleicht der Grund dahinter der, dass das, wie du es nennst, neue leuchtende Ding möglicherweise aufregend ist, neu ist, interessant ist und die Grundlagen eben alltägliche Arbeit sind. Die solide Basis eben, die nicht aufregend ist, die ziemlich langweilig ist. Es ist viel Arbeit, also würden die Leute möglicherweise lieber etwas tun, das sie ein bisschen unterhält und neu ist und möglicherweise groß, als etwas, das solide ist aber eben nicht so…

Matt Bailey: Okay, viele Freunde zu haben, füttert das Ego. Das tut es wirklich! Und weißt du, für ein Unternehmen plötzlich 6000 Freunde durch eine Kampagne zu bekommen, das füttert das Ego. Aber füttert es auch die Bilanz? Und meine Antwort darauf wäre, dass ich Analysen und Geld zu machen wirklich aufregend finde! Und wenn ich Wege finde, einem Unternehmen mehr Geld einzubringen, macht es das sexy und sogar sexier als Freunde und Follower und Tweets zu bekommen.

Andre Alpar: Und verstehen alle Unternehmen wie… Teilen sie deine Sichtweise?

Matt Bailey: Irgendwann. Also, wenn wir einen Auftrag annehmen, dann ist das erste was wir tun, alles aufzusplitten: Hier sind die Vermarktungskanäle und hier ist, wie viel Profit du aus den einzelnen Kanälen ziehst. Und dann brechen wir es auf den Gewinn runter. Und für gewöhnlich ist das für die Unternehmen sehr überraschend.

Andre Alpar: Hilfst du ihnen auch, die Kosten jedes einzelnen Kanals herauszufinden? Ist es beispielsweise schwierig herauszufinden, was sie für welchen Social Media Kanal ausgeben?

Matt Bailey: Ehrlich gesagt ist das eher auf die Arbeitszeit der Mitarbeiter bezogen.

Andre Alpar: Okay

Matt Bailey: Hast du zwei Leute da dran? Eine Person? Halbtags? Solche Dinge.
Und deshalb habe ich gesagt, was für gewöhnlich das Überraschende ist: Wir finden heraus, dass ihr E-Mail Programm den höchsten Gewinn pro Dollar bringt.

Andre Alpar: Aber es ist schwer, E-Mail mit regulären Online-Marketing-Kanälen zu vergleiche, weil E-Mail nur die Kunden betrifft, die ich bereits irgendwann einmal gewonnen habe. Also vermarkte ich mich nur an existierende Kunden, aber das meiste Geld wird doch meistens dafür ausgegeben, neue Kunden zu gewinnen? Das ist dann doch ein bisschen wie Äpfel und Birnen (vergleichen), richtig?

Matt Bailey: Das stimmt. Aber wenn du versuchst, die Dinge in Bezug auf den Gewinn zu bewerten, dann möchtest du die profitablen Maßnahmen nehmen und sie dazu nutzen, etwas mehr Geld zu machen.

Andre Alpar: Offensichtlich.

Matt Bailey: Und der Grund dafür, dass E-Mail den höchsten Gewinn pro Dollar bringt, ist, dass die Leute für gewöhnlich nichts dafür ausgeben. Aber es ist sehr effektiv. Meine Frage lautet also: Wenn es bereits eine hohe Gewinn-pro-Dollar Maßnahme ist, warum dann nicht darin investieren?

Andre Alpar: Sicher.

Matt Bailey: Und dann sehen, wie viel mehr Gewinn du erzielen kannst – eher, als sich auf die Dinge zu fokussieren, die keinen hohen Gewinn bringen oder sogar Verlustgeschäfte bedeuten und sich darauf zu versteifen. Alles was du tust, ist etwas Kaputtem hinterherzujagen, statt dich darauf zu konzentrieren, wo du dein Geld machst und das nutzen, um höhere Erträge zu erzielen. Und das in Angriff nehmen.
Denn, „Lass uns (erst) mehr Geld machen und dann finden wir heraus, was nicht stimmt.“ – Das ist meine Annäherung ans Marketing.

Andre Alpar: Und danach kannst du dein Geld für die neuen und glänzenden Dinge ausgeben und dann ist es okay.

Matt Bailey: Aber mach zuerst das Geld!

Andre Alpar: Sicher, sicher, sicher. Also, wie groß ist SiteLogic? Wenn ich mal zu deinen konkreten Sachen springen darf.

Matt Bailey: Bei SiteLogic sind wir zu zwölft.

Andre Alpar: Geht es mehr um strategisches Online-Marketing Consulting?

Matt Bailey: Ja, genau!
Wir haben Spezialisten für verschiedene Bereiche. Spezialisten für Analysen, Spezialisten fürs Content Development, Spezialisten für E-Mail und wir beginnen einen Auftrag, indem wir das digitale Online-Marketing eines Unternehmens überprüfen und dann einen Plan entwickeln, dem sie das nächste Jahr folgen.

Andre Alpar: Wie bekommst du also alle zum Kooperieren? Liegt es nur an dem Vertrauen, dass du dir erarbeitet hast, weil du schon immer da bist? Oder liegt es daran, dass du so fesselnde Reden hältst? Und das bringt dir genügend Akzeptanz? Weil du im Grunde „Okay“ sagen wirst, und für gewöhnlich ist es so, dass die anfangs aufgestellten Kosten dann am Ende wieder über den Haufen geworfen werden – wenn du etwas Falsches vorgeschlagen hast, und dann wird es wirklich kritisch.

Matt Bailey: Darum mag ich die Grundlagen. Grundlagen funktionieren immer!

Andre Alpar: Weil das der hundert Prozent sichere Schuss ist und dann…

Matt Bailey: Ja, genau! Seine Analysen richtig aufzustellen.

Andre Alpar: Das ist sehr basic.

4. Matt Bailey 2Matt Bailey: Das ist, wo wir mit den meisten Unternehmen anfangen. Ist die Analysedauer richtig angesetzt? Also wollen wir uns vergewissern, dass sie richtig ist und dann wollen wir Reports entwickeln, die auf das Ziel ausgerichtet sind, das da heißt: Geld machen! Die meisten Leute schauen mit ihren Analysen auf Unique Visitors, Time-On-Site, nichts, das sagt: Wir bringen mehr Geld. Und da kommt die Zusammenarbeit zustande, denn was wir wirklich machen ist, wir unterrichten. Wir bringen den Leuten bei, wie sie die digitalen Medien effektiv nutzen und ermitteln ein ROI.

Andre Alpar: Das ist ziemlich speziell, weil du ihnen beibringen möchtest, mehr Geld zu machen und dann: Erst musst du die Prüfung machen, dann musst du sogar noch einen Schritt zurückgehen, die Analysen aufstellen, dann geht vielleicht etwas schief, dann bringst du das in Ordnung und dann kannst du loslegen und vielleicht ein Ziel erreichen. Reißen sie dir nicht an der Jacke und sagen: „Wann wird es endlich mehr einbringen als ihr Jungs kostet?“ Und wie gehst du damit um? Oder passiert das nie und das ist nur mein pessimistische Denkweise?

Matt Bailey: Weißt du, hin und wieder passiert das schon. Wir legen das zu Beginn des Programms dar und auch deshalb ist die Prüfung so kritisch. Sie lässt uns wissen, ob wir einige Knochen brechen müssen – wenn Leute in ihren ineffektiven Denkweisen feststecken. Und das ist das, was uns die Prüfung zeigt: Das was du tust ist ineffektiv. Darum habt ihr uns geholt. Das ist, was die Daten zeigen. Es ist einfach nicht effektiv. So sieht´s aus. Und für gewöhnlich können wir sie frühzeitig wissen lassen was passieren wird. Es wird wehtun! Wir müssen einige Dinge ändern.
Und wir geben unser Bestes, dass wir unsere Leute wissen lassen können: Das sind die Investitionen, die ihr erwarten könnt. Ihr wisst was passieren wird. Wir versuchen, das für die Leute natürlich etwas abzufedern.

Andre Alpar: Passiert es auch manchmal, dass sie nach der Prüfung sagen: „Okay, nein nein nein! Was du vorschlägst bedeutet viel zu viele Veränderungen. Das wollen wir nicht!“ Passiert das bei einem bestimmten Prozentsatz der Fälle? Oder kannst du immer so tolle Geschichten erzählen, dass das niemals passiert; weil die Überzeugungskunst bei der ganzen Sache so großartig ist?

Matt Bailey: Ich wünschte es! Das wäre wunderbar!

Andre Alpar: Ich überlege nur. Wenn du das sagst, glaube ich dir.

Matt Bailey: Wir können da schon einiges durchsetzen, das klappt ziemlich gut.
Aber du merkst, wenn es nicht es nicht reicht. Gut, wenn du diese große Investition nicht machen möchtest (und das ist…)
Ich habe kein Problem damit.

Andre Alpar: Also machen sie die kleine Investition, sehen den Erfolg und dann investieren sie die große Summe.

Matt Bailey: Hmmmmm

Andre Alpar: Denn das ist so – würde ich denken – Wenn du ihnen erzählst, es gibt nur diese eine Sache und die bedeutet eine große Investition, und du kannst etwas kleines machen, um mich, Matt, zu testen. Und psychologisch…

Matt Bailey: Das nenne ich das „Shiny-Object-Syndrom“.

Andre Alpar: Okay, wieder. Ein anderes oder wieder dasselbe?

Matt Bailey: Nein, es ist dasselbe.

Andre Alpar: Aber aus einer anderen Perspektive?!

Matt Bailey: Yeah, Die Leute glauben, dass es da draußen eine Antwort gibt. Das alles, was sie tun müssen, ist Geld da reinzustecken, in eine Software oder ins Social Media oder irgendetwas, und das wird ihre Probleme schon lösen.

Andre Alpar: Also idealerweise etwas, dass man zu hundert Prozent outsourcen kann, richtig?

Matt Bailey: Richtig. Oder nicht einmal das.
Typisch Business: Wenn sie kein Geld für etwas ausgeben möchten, von dem sie eigentlich wissen, dass es richtig ist, werden sie ihre Gründe finden. „Und darum möchte ich mit dieser Software arbeiten, weil uns das helfen wird.“ Oder „Ich werden ein neues Einkaufswagensystem kaufen, einen neuen E-Commerce Cart. Ich mache ein neues Design.“
Es gibt immer irgendein „Das werde ich machen.“ – Aber es ist immer nur ein Herumtänzeln um das Kernproblem. Ich stelle das Kernproblem heraus und das ist manchmal nicht so beliebt.

Andre Alpar: Also, in deinem… Ich springe nur, sorry, wenn ich in den Fragen hin und her springe…
Also, du bist also auf einer Art Meta-level. Du hilfst den Leuten zu planen, dann hilfst du noch den Kunden, Agenturen zu finden, die die ganzen Dinge machen , die du vorgeschlagen hast? Oder gibst du den Kunden einfach „dies ist der perfekte Plan und jetzt versucht ihn zu verstehen“? Wie funktioniert das?
Weil, mit zwölf Leuten kannst du ja gar nicht alles auf operativer Ebene ausführen, oder?

Matt Bailey: Nein, wir führen. Es gibt einige Klienten, für die wir nicht nur die Strategie, sondern auch teilweise die Ausführung machen. Und das hauptsächlich, weil wir die Ressourcen haben dort einzuspringen, wo sie es nicht tun. Wir haben ein paar auf dem Level, der Rest ist mehr…

Andre Alpar: Aber ihr seid nur ein Dutzend und da gibt es doch gar nicht so viele Ressourcen, dass ihr überall einspringen könnt, oder seid ihr Leute so schnell?

Matt Bailey: Nein, sie sind wunderbar. Ich würde sagen, wo wir die effektivste Arbeit machen ist im Aufbau solcher Reporting-Strategien – die Analysen richtig zu gebrauchen, Strategien zu entwickeln und in-house die Leute darin zu trainieren, in ihrem Job effektiver zu sein.

Andre Alpar: Also, glaubst du, dass die meisten Firmen, für die du die Beratung machst, schon wissen, welches die richtigen KPIs für sie sind, aber sie nicht wissen, wie sie sie bekommen oder musst du ihnen meistens dabei helfen herauszufinden, welches die richtigen KPIs für sie sind?

Matt Bailey: Es ist eine Art Kombination aus beidem. Ich finde, dass einige Unternehmen sich sehr darüber bewusst sind, was sie zu tun haben und andere wiederum keine Ahnung haben. Sie wissen, wann sie ihre Verkäufe steigern, sie wissen nur nicht warum. Also…

Andre Alpar: … Füllst du die Lücken?

Matt Bailey: Wir bringen das „Warum“. Ich meine, wenn du weißt warum, dann kannst du Maßnahmen ergreifen dich zu verbessern, zu verändern, alles tun, was du tun musst.

Andre Alpar: Toll! Vielen Dank für deine Zeit.

Matt Bailey: Danke.

iTunes_DE

Bisher in dieser Interview-Reihe erschienen:

  1. Simon Heseltine (AOL)
  2. Chris Boggs (SEMPO)
  3. Adam Audette (RKG)

«

»

Dieser Artikel wurde 2501 Mal gelesen.

Kommentare (3)

  1. Pingback: OMReport Interview mit Ade Oshineye - AKM3
  2. Pingback: OMReport Interview mit Jeff Allen - AKM3
  3. Pingback: OMReport 66: Interview mit Cindy Krum - AKM3

Hinterlasse Deinen Kommentar

Performics ist bekannt aus:
Werde Performics Fan auf Facebook & Twitter