In der vergangenen Woche musste das Reisportal Expedia einen herben Rückschlag hinnehmen. Durch den Verstoß gegen geltende Richtlinien von Google erfolgte eine Rückstufung im Ranking. Die Auswirkungen beschränken sich jedoch nicht nur auf die Listung in den Search Engine Result Pages (SERPs).

Auswirkungen des Rankingverlustes

Noch vor kurzem rangierte die englische Expedia Website bei der Suche nach Keywords wie „Hotel“ oder „Cheap Flights“ auf dem ersten Platz in den Suchergebnissen. Seit der vergangenen Woche hat sich dies jedoch geändert. Den Gründen und Auswirkungen dieses Vorfalls widmete auch „Die Welt“ einen Artikel, in dem unter anderem Marcus Tober (Searchmetrics) sowie Andre Alpar zu Wort kamen.

Nach Aussage von Tober fiel Expedia bei der Suche nach Hotels auf Platz 29 zurück. Auch themenverwandte Suchbegriffe wie Mietwagen und Flüge sind von dieser Entwicklung betroffen. Durchschnittlich 16 Positionen musste das Reiseportal nach seinen Analysen einbüßen, was seinen Einschätzungen nach im Wochenvergleich einem Sichtbarkeitsverlust von einem Viertel entspricht. Eine alles andere als positive Entwicklung, wird Expedia jetzt nach Konkurrenten wie HRS gelistet.

Die Auswirkungen einer solchen Penalty beschränken sich jedoch nicht nur auf die Sichtbarkeit. Durch die Monopolstellung von Google (Marktanteil: USA ca. 70%, BRD ca. 90%) ist die Positionierung in den SERPs umso bedeutender. Die Listung hinter der Konkurrenz sowie der damit verbundene drohende Verlust an Besuchern und potenziellen Kunden verunsicherte auch die Anleger des in den USA gelisteten Unternehmens. Erste Auswirkungen wurden bereits erkennbar: Der Börsenkurs von Expedia verlor deutlich an Wert.

Gründe für die Penalty

Bereits in der Vergangenheit hat Expedia mit unlauteren Optimierungsversuchen auf sich aufmerksam gemacht. Dazu zählte unter anderem die kostenlose Bereitstellung von WordPress Themes für Reiseblogs. Diese enthielten Links zu Expedia-Seiten, die in weißer Schrift vor einem weißen Hintergrund lediglich für den Google Bot sichtbar sein sollten. Laut Tober eine Altlast aus den Anfangszeiten der Suchmaschinenoptimierung, die sich heute rächt.

Ähnliches vermutet auch Alpar, der sich ebenfalls mit dem Fall Expedia befasst hat: „Da hat jemand, der Expedia nicht leiden kann, per Blogeintrag die Jugendsünden angeschwärzt, und Google öffentlich mit der Nase darauf gestoßen. Denen blieb nichts anderes übrig, als zu reagieren.“ Nach seiner Aussage muss Expedia nun Fleißarbeit leisten. Dabei müssen die Fehler aus der Vergangenheit behoben, und dieser Vorgang entsprechend dokumentiert werden. Dann stehen die Chancen auf eine Wiedereinsetzung in den alten Stand jedoch gut. „… große Marken bleiben nie lange von Googles Strafen betroffen. In zwei Wochen sind die wieder da“, so Alpar.

In Anbetracht der Geschehnisse wäre es ebenfalls interessant zu wissen, inwieweit der Google Dienst „Flights“, Konkurrent von Expedia, von der Rückstufung der Konkurrenz profitieren konnte.


Headbild © SJByles. „9M-AFG A320-216 AirAsia“ Bestimmte Rechte vorbehaltenQuelle: Flickr.com


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Kommentare (5)

  1. Guter Artikel!

    Diese sogenannten Altlasten der SEO-Anfänge werden meiner Meinung nach viel zu wenig diskutiert, geschweige denn aufgeräumt. Für viele Firmen wird es in Zukunft ein fester Bestandteil ihrer SEO-Bestrebungen sein, veraltete und fragwürdige Inhalte aus dem Netz nehmen zu lassen. Inwieweit das restlos möglich ist, wird sich wohl daran bemessen mit welchen Agenturen in der Vergangenheit zusammengearbeitet wurde.

    Scheinbar reißt der Trend für fragwürdige SEO-Techniken dennoch nicht ab. Beobachtet man allein gebuchte SEO-Dienstleistungen über diverse Freelancer-Portale oder bei Fiverr, welche teilweise ganz klar den Black Hat Techniken zuzuordnen sind, kann einem Angst und Bange werden. Schlimmer noch: SEO-Agenturen aus Europa kaufen angebliche ‚100% pinguin safe‘ Dienstleistungspakete zu Discount-Preisen in Indien, Bangladesch und anderen asiatischen Ländern und verkaufen diese teuer weiter.

    Nun, Ich frage mich an dieser Stelle zu welchem Zweck?

    Entweder werden hier die Auftraggeber von unseriösen SEO-Anbietern um ihr Geld (und später auch um ihre Rankings) gebracht, oder die Konkurrenz „optimiert“ Webseiten um unliebsame Seiten von Top Positionen zu schießen.

    Ich denke die Google Penalty Analysen und die damit verbundenen Aufräumarbeiten werden in Zukunft zunehmen. Zumindest werden sie das für einen gewissen Zeitraum und/oder bis die Google Penalty Richtlinien per Definition ausschließlich für eigenverantwortliches Handeln gelten, ohne etwaige Fremdoptimierungen zu werten.

  2. …nichts für ungut, aber mir gefallen 2 Aspekte dieser „Meldung“ nicht:

    1) Niemand verdeutlicht, dass es „nur“ um den US-Markt geht und die Analysen nicht umfassend waren. Wenn man den Sichtbarkeitesindex eines Tools heranzieht und feststellt, dass dieser um etwa 20 % eingebrochen ist, ist das ein deutliches Zeichen für Verluste. ABER so lassen sich keinerlei glaubwürdige Prognosen treffen in Bezug auf die möglichen Umsatzeinbußen! Mir erschienen schon in der vergangenen Woche die Formulierungen in der „Welt“ alles andere als sauber recherchiert. Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man sich die Sache etwas genauer ansieht. Und wie gesagt, in Deutschland und den UK z.B. ist bei Expedia noch „alles gut“.

    2) Expedia wird von dieser Angelegenheit wahrscheinlich extrem profitieren. Da werden jetzt Links abgebaut, öffentlich um Entschuldigung gebeten und auf diesem Wege so viele neue Links generiert, dass die Sichtbarkeit wahrscheinlich schon in 2 Wochen wieder steigt.

    Schade…

    • Über die entstandene Aufmerksamkeit und das damit verbundene Link-Feuer darf man sich in einer Informationsgesellschaft nicht aufregen. Schon gar nicht bei einem internet-lastigen Thema.

      Das Expedia aufgrund der Berichterstattung extrem profitiert vermag ich zu bezweifeln. Die entstandenen Links müssten die Sichtbarkeit von Expedia derart begünstigen, dass sie imstande wären die Umsatzeinbußen in einem kurzen Zeitraum wieder einzufahren. Es ist nicht zu erwarten, dass der neue Konkurrent längerfristig an Relevanz verliert.

      Im Gegenteil. Google Flights ist erst der Anfang. Mit Google Maps ist eine hervorragende Basis für solche und andere Dienste geschaffen worden. Zweckmäßig in erster Linie natürlich Angebote für die Bereiche Navigation, Transport- und Beförderungsmittel. Für den Zugverkehr ist der Grundstein schon gelegt…

      …und warum nicht in Zukunft per ‚Google Entertainment‘ Tickets für das nächste Konzert oder den Super Bowl buchen. Google Maps navigiert mich vom Sofa direkt nach East Rutherford, Bahn, Flug, Mietwagen, Unterkunft und das Ticket wird bequem über die Google App gebucht. Larry Page hat dies bzgl. schon klare Vorstellungen: http://tech.fortune.cnn.com/2013/01/03/google-larry-page/

      Nachdem Google jeder noch so kleinen Pizzeria eine AdWords-Kampagne aufs Auge gedrückt hat und sich nahezu alle Firmen auf den Google Maps finden lassen, geht es jetzt an die direkte Lead-/Sale-Vermittlung. Google Checkout und kostengünstige TouchPad Kassensysteme runden die Geschichte ab und unterstützen den Pizzabäcker vor Ort. Sinnvoll mit einer Branche zu beginnen, die nicht all zu viel Anbieter beherbergt. Das verspricht eine angenehme Entwicklungs- und Testphase und ein paar Provisionen fließen sicher auch.

      Der PPC Gigant wird zum PPS/PPL Gigant und Expedia bekommt schon mal eine Kostprobe der Einbußen.

  3. weiße schrift auf weißem hintergrund – so was gibt e noch? eine schande, das google so lange brauchte! und noch schlimmer, dass expedia vermutlich tatsächlich nach 14 tagen wieder da sein wird…. nach wie vor ist man als „braver“ seo teilweise benachteiligt. wenn ich manchmal mitbewerber meiner kunden anschaue und deren links und methoden wird mir schwindelig. dennoch stark in den serp’s. da bekommt man fast lust anzuschwärzen (nein, das habe ich noch nicht gemacht!).
    so genug gemeckert – jetzt geht’s mir besser 😉

  4. Sicherlich ist zuerst einmal festzustellen, dass es hier „nur“ um den US-Markt geht. Zudem kann keine eindeutige Aussage über den Verlust des Traffics und den damit einhergehenden Umsatzeinbußen getroffen werden. Bei den Competitiven Moneykeywords kann man aber durchaus davon ausgehen, dass Umsatzeinbußen hingenommen werden. Nun könnte man sich hier eher die Frage stellen, warum Expedia auf die verlorenen Rankings keine Anzeigen schaltet. Das könnte daran liegen, dass Sie bei einigen Transactional Keywords (booking flights, buy flight, buy flight tickets) sehr gut positioniert sind.

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