Eine kurze Anleitung für schnelle Link-Audits mit SEO Tools for Excel.
Achtung: Seo Tools for Excel eignet sich weniger für große Webseiten, sondern vielmehr für kleinere (private) Projekte.

Was leistet ein Link-Audit?
● Überprüfen und bewerten eines Backlink-Profils
● Ausfindig machen von schädlichen Backlinks
● Schlechte Backlinks in der Google Search Console für ungültig erklären bzw. „disavowen“
 

Schritt 1: Backlink-Profil erstellen

● Meiner Meinung nach sollte das Backlink-Profil einer Webseite so präzise wie möglich abgebildet werden: Daher sollte man mehrere Backlink-Checker (wie z. B. Majestic, Ahrefs und die Google Search Console) kombinieren, sofern dies möglich ist. Je mehr Recherche-Tools, desto besser.
● Das Backlink-Profil sollte so vollständig wie möglich abgebildet werden. In diesem Beitrag nutze ich nur Majestic und SISTRIX, um den Audit-Prozess zu veranschaulichen. Das Minimum der Recherche-Tools sollte aber drei sein, da ansonsten kein komplettes Abbild der Backlinks möglich ist.
 

Schritt 2: SEO-Werte ermitteln

Dazu gehen wir folgendermaßen vor:

Seo Tools for Excel starten und „Majestic“ anklicken.
Nun sollte das Ganze so aussehen:

Anschließend muss man die URL der zu untersuchenden Seite in das Feld „URL“ eingeben und folgende Werte auswählen:
● Source URL (Link-Quelle)
● Targed URL (Wohin zeigt der Link?)
● Source Citation Flow (Zahl der URLs, die auf den Backlink weisen)
● Source Trust Flow (Vertrauenswürdigkeit der Backlinks)
● AnchorText (verwendeter Link-Text)

Flag:
● Flag Redirect (zeigt an, ob es sich um eine Weiterleitung handelt)
● FlagNoFollow (Kennzeichnet Nofollow-Links)

● Jetzt einfach auf „Insert“ klicken. Nun sollten die Werte von Majestic ausgespielt werden.

● Die mit nofollow gekennzeichneten URLs können wir nun aussortieren. Diese sind nicht weiter wichtig, da von ihnen keine Gefahr ausgeht, wie Matt Cutts von Google hier erklärt hat:

Nofollow bedeutet also, dass Google diesen Links nicht folgt und sie auch nicht als Ranking-Faktor (negativ) in die Bewertung einfließen lässt. Trotzdem sind sie als Teil eines gesunden Linkmixes natürlich wichtig.

Anschließend ziehen wir uns noch den SI (Sichtbarkeitsindex) von SISTRIX via Seo Tools for Excel.

Jetzt können wir über die Funktion „Farbskalen“ in Excel die SISTRIX-SI-Werte abhängig von Qualität bzw. Größe einfärben. Rot steht für einen niedrigen SI, Gelb für einen durchschnittlichen und Grün für einen guten SI-Wert – also für eine gute Sichtbarkeit bei Google.

Warum das Ganze?
Der „SI“ bzw. SISTRIX-Sichtbarkeitsindex liefert uns eine wichtige Kennzahl zur Sichtbarkeit bei Google.
Ist dieser Wert sehr niedrig oder liegt bei null, ranken nur wenige URLS dieser Domain auf passende Keywords mit entsprechendem Wettbewerb und hohem Suchvolumen. Mithilfe des SI-Werts als Indikator lassen sich auffällige Seiten besser ausfindig machen. Denn hat eine Seite bspw. geringe Sichtbarkeit, aber viele ausgehende Links, ist das ein Hinweis darauf, dass diese Seite wenig vertrauenswürdig ist. Sie könnte dann z. B. eine Linkliste sein.
Um sicherzugehen, sollte man noch den Trust sowie den Citation Flow über Majestic kontrollieren. Sind diese Werte ebenfalls schlecht, ist die entsprechende Seite mit hoher Wahrscheinlichkeit risikobehaftet und sollte genauer untersucht werden. Denn warum ein Risiko eingehen, wenn die Seite wahrscheinlich sowieso keinen Wert für uns hat?
 

Schritt 3: Seiten bewerten/alle URLs anschauen

Welche Seiten sollten über Disavow entwertet werden?
● Seiten, die sich nicht an die Google-Richtlinien halten, z. B. dofollow verlinken, obwohl sie als bezahlte Kooperation o. ä. gekennzeichnet sind
● Webkatalog und Linklisten sowie die meisten Branchenbücher
● Automatisch generierte Bildergalerien
● Artikelverzeichnisse
● PR-Portale
● Ausländische Seiten ohne Themenbezug
● Spam-Seiten, die Inhalte anderer Seite „scrapen“ und als ihre eigenen ausgeben.
● Gehackte Seiten, Blogs und Foren.
● Seiten, die überhaupt nicht zum Thema passen. Beispiel: Verlinkt eine Seite über Tassen dofollow mit dem Linktext „Tasse“ auf einen Pkw, passt das Ganze nicht zusammen.
● Seiten, die sich nicht im Google-Index befinden. Denn das kann ein Hinweis darauf sein, dass die Seite von Google gesperrt wurde oder zu neu ist. Ist die Seite nicht neu, ist wahrscheinlich Spam der Grund für die Entfernung aus dem Google-Index.
● Der Link ist im Quellcode versteckt und für menschliche Nutzer nicht sichtbar = Spam.

Nun sollten alle URLs einzeln aufgerufen und untersucht werden. Dieser Schritt lässt sich nicht umgehen. Dabei sollte auf Faktoren geachtet werden, die die Seite als Spam outen. Abgesehen von den Kennzahlen der Seite sind also auch Erscheinungsbild, Pop-ups etc. zu beachten. Außerdem sollte ein Impressum vorhanden sein – verfügt die Seite über keines, ist das ein schlechtes Zeichen.
 

Schritt 4: Disavow-Datei erstellen

Die identifizierten Risiko-Seiten sollten nun im richtigen Format bei Google hochgeladen werden.

Die Disavow-Datei muss folgendermaßen strukturiert sein:
Soll künftig nur eine bestimmte URL von Google ignoriert werden, muss man sie folgendermaßen in die Datei einfügen:
http://beispiel-domain.com/news/artikel123

Diese Option sollte genutzt werden, wenn die Website an sich gut ist, aber ein bestimmter Artikel ein Problem darstellt – bspw. weil er ein Sponsored-Post ist und trotzdem dofollow verlinkt. Oder weil er aus anderen Gründen als „nicht gut“ eingestuft wird. Denkbare Gründe dafür wären z. B. ein schlechter Ankertext oder Keyword-Stuffing.
Dadurch bleiben andere URLs dieser Domain weiterhin aktiv: Nur der eine Artikel/Blogpost wird entwertet bzw. in Zukunft von Google als nofollow behandelt.

Soll hingegen die komplette Domain ignoriert werden, muss man sie folgendermaßen hinterlegen:
domain:beispiel-domain.com
Diese Option ist sinnvoll, wenn die Website nur zum Spammen genutzt wird, von Hackern übernommen wurde oder ein anderes Kriterium erfüllt, durch das die gesamte Seite für uns wertlos oder sogar gefährlich wird.

Die Disavow-Datei beinhaltet in der Regel beide Fälle und wird daher normalerweise folgendes Schema aufweisen:
http://beispiel-domain.com/news/artikel123
domain:beispiel-domain.com
http://beispiel-domain.com/news/artikel456
http://beispiel-domain.com/news/artikel543
domain:beispiel-schlechte-domain.com

Ist die Datei fertiggestellt, wird sie einfach als TXT-Datei abgespeichert.
 

Schritt 5: Disavow-Datei an Google übermitteln

Hier findet man das Disavow-Tool von Google.
1. Domain auswählen
2. Auf „Links für ungültig erklären“ klicken

3. Nun erscheint eine Warnmeldung von Google. Diese muss ebenfalls bestätigt werden.

4. Jetzt dürfen wir die Liste hochladen. Natürlich wird abermals ein Warnhinweis angezeigt.


 

Tricks & Tricks:

Vorab: Man sollte im Rahmen eines Audits für gewöhnlich alle Seiten manuell überprüfen.
Ist der Audit für ein privates Projekt, für kürzere Tests oder für eine kleine Seite mit geringem Budget gedacht, lassen sich allerdings einige Indikatoren nutzen, um auffällige Seiten schneller zu entfernen – ggf. sogar automatisch, ohne sie anzuschauen. Dabei besteht allerdings das Risiko, dass man auch gute Seiten entfernt. Hier eine Liste solcher Indikatoren:

● Die Seiten hat eine sehr ungewöhnliche TLD (Top-Level-Domain) wie z. B. .xyz, gq, cf,ml oder ga. Solche Seiten sind sehr wahrscheinlich Spam. Abhängig von Land und Region können diese TLDs natürlich unterschiedlich ausfallen. Ausnahme: Kein Risiko-Indikator sind solche TLDs natürlich dann, wenn es tatsächlich einen guten Grund dafür gibt, dass Seiten aus Ghana, Äquatorialguinea etc. auf sie verlinken. 😉
● Automatische Bildergalerien, die dofollow verlinken
● Seiten mit „Webkatalog“, „list“, „directory“, „catalogue“ oder „Link Liste“ im Domainnamen

Die SI- und Majestic-Werte sollten bei dieser Herangehensweise unbedingt genutzt werden, um sicherzugehen, dass gute Seiten nicht „automatisch“ auf der Disavow-Liste landen, nur weil eine einzelne dieser Auffälligkeiten zutrifft.

Beispiel: Screenshot einer automatischen Bildergalerie

Im untenstehenden Beispiel liegt eine Domain mit der Endung „gq“ vor, und zugleich gibt es Hinweise auf Content-Scraping – außerdem ist alles dofollow verlinkt. (Dofollow-Links sind grün gekennzeichnet.)


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